Von Peter Krempin

Schäfer Willi Köttgen versteht die Welt nicht mehr: "Je schneller sie rasen, desto weniger Zeit haben sie. Und am Wochenende haben sie die wenigste Zeit." Während seine 800 Schafe friedlich grasen, geht sein Blick in das weite Talrund. Inmitten herbstlicher Wiesen leuchten schwarzweißes Fachwerk und brauner Bruchstein. Neben dem Turm der Kirche steht der des Feuerwehrhäuschens. Eine Idylle.

Nicht aber an Sonntagen. Dann fallen Hunderte brummender Kawasakis, Hondas und BMWs ins Dorf ein. Ihr Heulen erfüllt die Luft. Ein Ärgernis für die Einheimischen, eine Freude für die beiden Gastwirte. Der Kaffee- und Colakonsum hat sich vervielfacht, seit die Zweirad-Freaks des Bergischen das verschlafene Nest Kürten-Olpe zum Sonntagstreff erkoren haben.

Willi Köttgen schüttelt noch immer mit dem Kopf. Seit dem 16. Jahrhundert hütet seine Familie Schafe im Bergischen. Er selbst treibt seine Herde über die Düsseldorfer Rheinkniebrücke mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie durch die Abgeschiedenheit an der Aggertalsperre. Aber die Hektik dieser Tage, die begreift er nicht.

Allseits willkommener Trubel herrscht beinahe täglich wenige Kilometer westlich in Altenberg. Kaffeetrinker und Kuchenesser fallen hier stets in Massen ein, denn die winzige Siedlung im Dhünntal besteht nur aus vier Gasthäusern.

Eigentlich berühmt geworden ist Altenberg aber nicht durch seine Kneipen, sondern durch die Kirche, die hier steht. Zisterzienser begannen 1145 mit ihrem Bau und mit dem Bau eines Klosters. So entstand der "Bergische Dom" von Vetus Mons (Altenberg). Ohne Turm, aber mit dem größten Kirchenfenster (8 mal 18 Meter) der deutschen Gotik.

Die vielen Grabmäler im Kirchenschiff und die Fahne mit dem Löwen führen zu den Ursprüngen: dem Grafengeschlecht derer von Berg. Niemand weiß so recht, woher sie kamen, als sie 1101 die kleine Burg oberhalb des späteren Klosters bezogen. Nur noch zwei unscheinbare Erdhügel im Wald bezeugen heute ihre Existenz.