Als das Rebellieren und das Saufen noch geholfen haben, in jenen Tagen (da Irland Degann, um seine Freiheit zu kämpfen) lebte – immer lustig, immer traurig – Codger Sleehaun in O’Caseys Irland. Gut 30 Jahre nach dem Ende des Befreiungskrieges nennt sich Codger in einem späten, 1955 uraufgeführten Stück O’Caseys "den letzten der Mohikaner". In jener Zeit entfacht ein Haufen irischer Provinzler aus mißliebigen Büchern "Ein Freudenfeuer für den Bischof"; erkennt man in Codger nicht mehr den Rebellen, nur noch den Rabauken. Denn die große Zeit des Stadtrats Reiligan hat begonnen. Er ist reich und geschäftig, bieder und bigott. Seine Kinder haben nur einen Traum: eine gelungene Flucht. Doch was gelingt in Ballyoonagh statt dessen? Das Freudenfeuer wird angezündet. Der Bischof kommt, und Codger muß gehen. O’Caseys "Freudenfeuer für den Bischof": ein Grundriß unserer Tage.

Thomas Langhoff, Schauspieler und Regisseur aus der DDR, dessen bedächtige, behutsame, auf Details zielende Regiearbeit sich an großen Ensemble-Stücken wie Tschechows "Platonow" bereits bewährt hat, ist an O’Casey (fast) gescheitert. Unter Jürgen Roses dunkelgrau bepinselter Himmelskuppel mit einem irisch-grünen Rasenhorizont wurden der zweite und dritte Akt des Stücks in kabarettistisch glatten und/oder humorlos-biederen Volkstheater-Szenen verspielt. Das Ärgste: Rolf Boysen hat Codger Sleehaun an einen Klischee-Clochard verraten. Wer das gut findet, ist Reiligan näher als Codger. Das gilt für die meisten. Denn das Premierenpublikum jubelte.

Helmut Schödel