Bittere Fragen und Ratlosigkeit, doch nicht – wie es manche Berichte darstellten – eine Kampfansage enthält die Antwort des polirischen Primas Glemp auf das Verbot der "Solidarność". Auszüge aus der Predigt:

Wir müssen also wie von Null anfangen. Das alles geschah ohne Befragung der Arbeiterklasse, mit der die Kirche so sehr verbunden ist.

Dieser Null-Punkt ruft ungeheuer veränderte Haltungen hervor: bei den einen Zorn, bei den anderen Depression; bei den einen Gleichgültigkeit, Stumpfheit gegenüber allen öffentlichen Dingen, bei den anderen eine noch versteckte Rachsucht.

In diesem Zustand der Erbitterung wenden sich viele, viele Menschen an die Kirche und fragen: was weiter? Werden wir zugrunde gehen? Müssen wir uns weiter so demütigen lassen? Darf eine tausendjährige Nation so mißhandelt werden? Muß unsere Erziehung zu einer starken Staatlichkeit mit Gewaltmethoden betrieben werden?

Beruht denn die Kraft des Staates nicht auf dem Zusammenwirken von Herrschaft und Gesellschaft, auf der Bestätigung der Herrschaft durch die Gesellschaft – unter der daß die Staatsmacht gegenüber der me der ganzen Gesellschaft? Warum gibt man der Übereinkunft und Verständigung eine andere Bedeutung und geht nicht zur Wahrheit durch den Dialog?

Mit diesen und anderen Fragen wenden sich die Menschen an die Kirche. In diesen Fragen steckt die Erwartung einer einzigen Antwort: Gebt uns ein wenig Hoffnung, zeigt uns Wege, damit wir unsere Lebensenergien nicht in Apathie und Zorn vertun.

Wir Katholiken dürfen uns nicht der Verzagtheit überlassen, der Christ verzweifelt niemals. Immer versucht er den Start, und kein Start beginnt mit Null, mit Nichts. Wir haben die große zwischenmenschliche Solidarität der Arbeit, die Solidarität des Nationalgefühls. Es muß nicht unbedingt eine Organisation geben. Wahre Solidarität muß die Haltung des Hasses, des Egoismus und der Ungerechtigkeit umstoßen ... Das erste Element unserer Hoffnung ist die Nation selbst, kraftvoll im Glauben, stark mit Gott... Das zweite Element unserer Hoffnung ist die junge Generation, die sich eine bessere Zukunft wird bauen können. Es ist wert, für diese Generation zu leben ... Brüder, laßt uns nicht die Hoffnung verlieren.

Aus dem Polnischen von Hansjakob Stehle