In der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und beim Bundesverband deutscher Banken wird ein heißes Thema diskutiert: Die Vorstandsmitglieder deutscher Unternehmen sollen freiwillig auf fünf Prozent ihres Gehalts verzichten. Diese Geste soll nicht nur der neuen Regierung den Rücken stärken, sondern auch Solidarität mit den von der Wirtschaftskrise hart Gebeutelten demonstrieren und ein Zeichen für die nächste Lohnrunde setzen.

Zwar äußern einige Vorstände Bereitschaft, den markigen Kollegenworten auch den Verzicht folgen zu lassen, doch die meisten Manager verzichten auf den Verzicht.

So sagt zum Beispiel Hellmuth Buddenberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen BP: "Die Bezüge unserer Vorstandsmitglieder sind seit nahezu zwei Jahren eingefroren." Wie den BP-Vorständen ergeht es auch anderen Managern, deren am Gewinn orientierte Gehälter wegen der schlechten Erträge ohnehin stagnieren oder sogar sinken. Bayer Leverkusen hat schon im September angesichts der wirtschaftlichen Flaute, die zum 1. Januar übliche Gehaltserhöhung für alle außertariflichen Angestellten ausgesetzt. Auch auf Sonderzahlungen zur Jahresmitte werden die Bayer-Manager verzichten müssen.

Politische Gründe gegen die Gehaltskürzung führte ein Vorstand an: "Wir wollen den Eindruck vermeiden, wir würden die Regierung Kohl mehr unterstützen als die Regierung Schmidt.

*

Anfang nächster Woche soll der Aufsichtsrat von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) entscheiden, ob der Vertrag von Gero Madelung als Vorsitzender der Geschäftsführung über das Jahr 1983 hinaus verlängert wird. Bei Anteilseignern und Arbeitnehmern des Luft- und Raumfahrtkonzerns ist Madelung nicht unumstritten. Er gilt als führungsschwach. Die norddeutschen Gesellschafter (Hamburg und Bremen) sind für einen Wechsel auf dem Chefsessel. Die Gesellschafter aus der Industrie wollen hingegen Madelungs Vertrag verlängern.

Unterstützung findet Madelung, der eine Bosch-Tochter zur Frau hat, vor allem bei Bosch-Chef Hans L. Merkle und bei Bernhard Plettner, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Elektrokonzerns Siemens, der gemeinsame Unternehmensinteressen mit Bosch hat. Beide plädieren für den status quo ebenso wie der Bankier Hans-Heinrich Ritter von Srbik, der die Messerschmitt-Stiftung vertritt. Gero Madelung ist ein Neffe des verstorbenen Flugzeugindustriellen Willy Messerschmitt.