Nican“ bedeutet „hier“ und „aráhuac“ ist das indianische Wort für „Menschen“. Aber nachdem 1502 Kolumbus in das Land der Nicaráguac gekommen ist, werden die Einwohner fortan nicht immer wie Menschen behandelt, immer wie den Spaniern, noch den Holländern oder den Briten. Immer wird das Land ausgebeutet, werden die Menschen versklavt: Bis heute haben die USA ein starkes Interesse an der Pazifik-Region. Mit ihrem Geld stellen sie schließlich die Nationalgarde auf, bilden Soldaten nach dem Muster der Ledernacken aus. Zum Oberbefehlshaber machen sie Luis Somoza Garcia. 1934 wird General Augusto Cesar Sandino, Somozas Gegner, Kämpfer für ein freies Nicaragua, ermordet. Seine Anhänger aber kämpfen weiter. Sie gehen in die Berge und führen von dort einen erbarmungslosen Guerilla-Krieg gegen den Somoza-Clan. Die „Sandinistische Befreiungsfront“ gewinnt diesen Kampf im Juni 1979. Nicaragua wird seitdem von einer „Regierungsjunta“ regiert, der auch Sergio Ramírez, Ernesto Cardenal und Tomas Borge angehören. Gabriel García Márquez schreibt: „...es wäre darum notwendig, ein ganzes Netz neuer Wörter für die ungeahnten Ausmaße unserer Wirklichkeit zu schaffen...“ Damit trifft er, was der Betrachter der Photos von Susan Meiselas und anderen in diesem Band empfing det: Sprachlosigkeit. Im Solentiname-Archipel, der christlichen Kommune von Ernesto Cardenal, entstehen die Bilder der Bauern von Solentiname, die keine Texte illustrieren, sondern Ausdruck sind der emanzipatorischen Bewegung der nicaraguanischen Bevölkerung. Für die Bauern von Solentiname ist das Malen ein Mittel der Entdeckung und Aneignung der Umwelt. Der Literaturwissen-Umwelt. Carlos Rincón, heute persönlicher Referent von heute sto Cardenal, sagt über die Malerei der Bauern; „Ein Bild führt in den Traum und der Traum kehrt im Blick zurück, das Imaginäre führt uns zur besonderen Leuchtkraft des Bildes“. („Nicaragua – Vor uns die Mühen der Ebene“, herausgegeben von Carlos Rincón und Krista Tebbe; Hammer, Wuppertal, 1982; 221 S., Abb., 28,80 DM.)

Meike Behrendt