Von Gerhard Seehase

Einen Augenblick lang sieht es so aus, als wollte sie einfach liegenbleiben vor Erschöpfung. Und als sie sich dann endlich, mit einem finsteren Blick auf ihre Trainerin, hochgerappelt hat, murmelt sie: "Verdammte Schinderei." Aber dann kommt der Zuruf: "Doris, das war gut", und nun lächelt sie, immer noch mit schwerem Atem, zurück: "Geht’s noch weiter?"

Anne Trabant-Haarbach, Trainerin der erfolgreichsten deutschen Damen-Fußballmannschaft, ist schon bei der nächsten: "Ingrid, jetzt du", und das Spiel beginnt von neuem: ein Ball von links, der nächste von rechts, Volleyschüsse beidfüßig, Kopfball-Torpedos im Hechtsprung. Bis auch die kleine Ingrid vor Erschöpfung liegenbleibt und das erhitzte Gesicht auf den Rasen drückt. – "Loni, jetzt du."

Wer erfahren möchte, weshalb die Frauen der SSG Bergisch Gladbach konkurrenzlos sind im deutschen Damen-Fußball, der muß sich schon die Mühe machen, einmal beim Training dabeizusein. "Da bekommst du ja einen Muskelkater allein vom Zusehen", sagt der stark beeindruckte Mann neben mir.

Fünfmal wurden die Frauen aus Bergisch Gladbach und Umgebung deutsche Fußballmeisterinnen, zweimal gewannen sie den deutschen Pokal, und im vergangenen Jahr holten sie sich aus Taiwan sogar den Weltcup: Im Endspiel wurde Holland mit 4:0 Toren bezwungen.

Das Durchschnittsalter dieser ungewöhnlichen Mannschaft ist 26 Jahre. Mit 37 Jahren ist Loni Winkel, der "Libero", die älteste Spielerin des Teams, Andrea Haberlass mit 18 die jüngste. Das Management besteht aus zwei Personen. Hans Gronewold, selbständiger Kaufmann aus Bergisch Gladbach, erledigt alles, was mit Geld zu tun hat: "Obwohl wir gar keins haben." Und Anne Trabant, die Diplom-Sportlehrerin, ist als Trainerin die absolute Nummer eins auf dem Rasen: "Autoritär? Würde ich mir auf der Nase herumtanzen lassen, ich wäre schon längst nicht mehr hier."

Dreimal in der Woche wird trainiert. Sechzehn Spielerinnen gehören zum Stamm der Mannschaft. Die meisten kommen aus Bergisch Gladbach und Umgebung.