Mit seiner Wahl löste das norwegische Nobelpreis-Komitee diesmal Überraschung aus. Vor allem die Polen waren enttäuscht, daß nicht Lech Walesa, der internierte Arbeiterführer, den Friedensnobelpreis erhielt. Doch das Komitee scheute davor zurück, Parteinahme für die unterdrückte polnische Arbeiterbewegung zu demonstrieren. Es teilte den Preis auf und ehrte mit Alva Myrdal und Alfonso Garcîa Robles zwei Persönlichkeiten für ihre, so die Begründung, "zentrale Rolle an den Uno-Abrüstungsverhandlungen"; beide hätten als "Stimulans für das Friedensklima in der Welt" gewirkt.

Alva Myrdal war schon häufig Kandidatin für den Nobelpreis. Von Hause aus Soziologin und Schriftstellerin, leitete sie von 1962-1973 die schwedische Abrüstungsdelegation in Genf. Es ist die feste Überzeugung der 80jährigen "charmanten eisernen Lady", daß die Großmächte unter Verfolgungswahn leiden, weil sie ihre Atomarsenale immer weiter füllen. "Jeder Schritt, den sie seit 1962 getan haben, war überflüssig."

Alva Myrdals Ehemann Gunnar hatte 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten.

Der 71jährige Alfonso Garcia Robles ist Mexikos angesehenster Diplomat. Er hat die auf Neutralität und Entspannung abzielende Außenpolitik seines Landes mitgeprägt. Jahrelang war er Vorsitzender des Uno-Abrüstungsausschusses, über dessen Effektivität er sich jedoch keine Illusion machte. Die Vereinten Nationen, so kommentierte er, kämen nicht aus der Sackgasse heraus, solange das angestrebte Abrüstungsabkommen nicht verabschiedet sei. Mehr Erfolg habe Alfons Garcîa Robles 1967 mit seiner Idee, ganz Lateinamerika zur atomfreien Zone zu erklären.

Er ist der erste Mexikaner, der einen Nobelpreis erhält. G. S.