So leicht ist Thomas Bernhard nicht zu haben. Nach der klaren, strengen, doch zu wenig bösen Uraufführung des Stückes bei den Salzburger Festspielen 1981 durch Claus Peymann und Karl-Ernst Herrmann (ZEIT, 28. 8. 81), suchen Luc Bondy und Rolf Glittenberg für die zweite Inszenierung des Stückes in Köln einen ganz anderen Zugang.

Unvorstellbar, daß der "dramatische Schriftsteller" in Salzburg, unter den Augen der ihn anhimmelnden Mutter, mit der Tochter gefüßelt, ihr gar den Po getätschelt hätte. Zwei Scharfmacher (sie darf sich sogar im Badeanzug zeigen), bei deren Aufeinander-Lauern man nicht versteht, weshalb sie nicht zueinander kommen. Der "Realismus" in Köln, der Figuren und Situationen oft wunderbar, einsichtig, witzig erklärt und doch nicht lebendig macht, leistet am Ende weniger als die Stilisierung in Salzburg. So virtuos komisch Christa Bernd! als Mutter sein kann: wenn sie als eine Art faunische Margaret Thatcher über die Bühne tobt, Kleider und Möbel um sich wirft, ist die Boulevard-Komödie näher als die irrsinnig lustig-traurige Katastrophe eines Bernhardschen Weltuntergangs-Spektakels. Bei den Slapstick-Einlagen, zu denen Stephan-Otto Bißmeier genötigt wird, der doch bis zu den furchtbaren Sandalen dem "Vater" ähneln soll, rutscht die Aufführung in die von Bernhard angedrohte Operette, ohne Musik.

Wäre da nicht Ilse Ritter! Sie spielt die fast stumme Rolle der Tochter so beredt, mit einer vor Lebens-Qual schreienden Körpersprache, daß sie die verunglückte Aufführung zum Zuschauer-Glück macht. Das Häufchen Elend als Juwel der Schauspielkunst: Ilse Ritter lohnt die Reise an den Rhein. Rolf Michaelis