Die Parlamentarischen Staatssekretäre in den Bonner Ministerien sind im Laufe der Jahre immer mehr zu politischen Zauberlehrlingen geworden. Ursprünglich den Ressortchefs als Führungsgehilfen und Fühlunghalter gegenüber dem Parlament beigegeben und deshalb an das politische Schicksal ihrer Dienstherren gebunden, zeigten sie bald eine erstaunliche Tendenz zu bürokratischer Selbstentfaltung: Als die Regierung Brandt 1972 zurücktrat und der Bundestag aufgelöst wurde, amtierten die "Parlamentarischen" – ohne Mandat – ungerührt weiter.

In der erneuerten sozial-liberalen Koalition wandelte sich ihre Rolle zunehmend von der eines Gehilfen in die eines Kontrolleurs. Dennoch mochte bislang niemand glauben, daß ein Parlamentarischer Staatssekretär sich auch zum Herrn über die Ministerialbürokratie würde aufschwingen können. Dies ist nach dem jüngsten Koalitionswechsel der Freien Demokraten erstmals ihrem Parteifreund Kurt Jung gelungen: CDU-Verteidigungsminister Manfred Wörner mußte den FDP-Mann als – zweiten – Parlamentarischen Staatssekretär auf die Hardthöhe nehmen. Dennoch hat er ihm sogleich den äußerst sensitiven Gesamtbereich Rüstung (Tornado-Affäre) anvertraut. Der Brocken könnte sich für den Novizen Jung schon recht bald als zu groß und zu hart erweisen. H. Sch.