Vor zwanzig Jahren erschütterte die Spiegel- Affäre die Republik – Neues über die Rolle von Strauß und der FDP

Von Daniel Koerfer und Karl-Heinz Janßen

"Wir sollten die Dinge nicht ad acta legen, sondern sollten tief in unser Gedächtnis hineinschreiben: Wiedervorlage."

Theodor Eschenburg

im November 1962

Zwanzig Jahre ist es her, als ein politischer Skandal ohnegleichen die Bundesrepublik erschütterte. Während die Kuba-Krise die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachte, rollte in Hamburg und Bonn eine Polizeiaktion an: Redakteure und Offiziere wurden als "Landesverräter" verhaftet, die Stiege/-Redaktion wochenlang besetzt. Berge von Akten abtransportiert. Ein Aufschrei der Empörung ging durchs Land, von "Staatsstreich" war die Rede. Schließlich stürzte die Regierung Adenauer Die Vorgeschichte

Für die Jüngeren ist das alles dunkle Vergangenheit. Und doch wirkt die Spiegel-Affäre von 1962 bis in die Bonner Politik unserer Tage hinein. Fragen sind geblieben, werden weiterhin gestellt. Was steckte dahinter? War es ein Machtkampf zwischen Regierung und Opposition? Rivalität zwischen konkurrierenden Geheimdiensten? Gar eine Verschwörung? Was wußte Bundeskanzler Adenauer? Was Verteidigungsminister Strauß? Hat Franz Josef Strauß, dieser ehrgeizig-aggressive, dabei merkwürdig zaudernd-unsichere Machtmensch, in dieser Affäre wirklich nur eine Nebenrolle ganz am Rande gespielt, wie er selber immer wieder beteuert?