Von Wilfried Kratz

Vom Ausbau des Kabelnetzes, von der Einführung neuer Dienste und der Satellitentechnik in ein modernes Kommunikationsnetz erhofft sich die neue Bundesregierung wirkungsvolle Anstöße für Investitionen und neue Technologien. In Großbritannien ist man schon einen Schritt weiter. Dort fällt bald der Startschuß für das Kabelfernsehen.

In Milton Keynes in Buckinghamshire hat die Zukunft schon begonnen. Der Ort, achtzig Kilometer nordwestlich von London, ist schon verkabelt. Als die Stadt mit ihren jetzt hunderttausend Einwohnern nach dem Krieg zur schon stung der Metropole entworfen und gebaut wurde, führten die Planer in jedes Haus Kabel, die bis zu zehn Kanäle aufnehmen können, also eine weit größere Kapazität haben als die herkömmlichen Telefonleitungen. Eine solche Kabel-Zukunft weit heißt die Regierung Thatcher jetzt der ganzen Nation.

In Milton Keynes, wo sich keine Antennen aus den Dächern recken, empfangen die Bürger per Draht die beiden Fernsehprogramme der öffentlich-rechtlichen BBC, die Sendungen von drei kommerziellen Fernsehstationen, die sich aus Werbeeinnahmen finanzieren, den Informationsdienst Prestel von British Telecom der (noch) staatlichen Post und Mitteilungen über An- und Verkauf von gebrauchten Artikeln.

Das Potential des Kabels hat die lokale Firma Selec TV zu nutzen begonnen. Sie hat zweitausend Haushalte als Abonnenten für einen Filmkanal gewonnen. Für eine Gebühr von knapp zehn Pfund (etwa 43 Mark) im Monat bietet Selec TV etwa fünfzig Filme pro Monat an, darunter mehrere, die auch in den Kinos laufen.

Das System ist so gesteuert, daß Teilnehmer, die mehr als zwanzig Tage mit ihrem Beitrag im Rückstand sind, abgeschaltet werden. Sogenannte X-Filme, die Jugendliche unter achtzehn Jahren im Kino nicht sehen dürfen, werden ins traute Heim erst nach 22 Uhr geschickt. Dort können aber die verbotenen Früchte durch eine elektronische Sperre vom Schirm ferngehalten werden.

Als nächsten Schritt plant Selec TV die Einspeisung von Video-Spielen, für die die Teilnehmer sechs Pfund im Monat berappen müssen. Aber Manager John Woolacott hat größere Ambitionen. Er will ein Studio einrichten und lokale Ereignisse, wie die Sitzung des Stadtrats oder Sportveranstaltungen selbst produzieren.