Wer sich durch ökologisches Engagement auszeichnet, macht keine Karriere

Von Jörg Neikes

Beratung und Unterstützung der mit der Pflege und Entwicklung der Landschaft befaßten öffentlichen Stellen, Überwachung der Einhaltung der im Naturschutzgesetz erlassenen Gebote und Verbote, Mitwirkung bei öffentlichen Planungen und Maßnahmen, die die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege berühren können: Das sind im wesentlichen die gesetzlichen Aufgaben der Naturschutzbehörden.

Die gesetzliche Regelung des Naturschutzes in der Bundesrepublik ist gut. Auf dem Papier. In der Praxis sieht es anders aus. Der behördliche Naturschutz organisiert sich in den meisten Ländern auf drei Ebenen: Untere Landschaftsbehörden sind die Kreise und die kreisfreien Städte, Höhere Landschaftsbehörden die Regierungspräsidenten und Oberste Landschaftsbehörde ist der jeweils zuständige Minister.

Unterstützt werden die Beamten von ehrenamtlich tätigen Bürgern. Das sind je nach Bundesland entweder Einzelpersonen als Beauftragte für Naturschutz oder Naturschutzbeiräte: Sachverständige des Naturschutzes und der Landschaftspflege, Vertreter der Bauern und Forstwirte, der Imker, Angler und Jäger, schließlich noch Vertreter von Vereinigungen, die sich den "Belangen des Naturschutzes" verschrieben haben.

Die gute Absicht, die der Gesetzgeber mit der Schaffung ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter oder -beiräte verfolgt hat, wird vielerorts dadurch unterlaufen, daß sich die Behörden ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter nach Wohlgefallen und Wohlverhalten aussuchen. Ökologen haben darum ein schweres Leben.

Das erfahren alljährlich während einer mehrtägigen ornithologischen Exkursion im niederrheinischen Naturschutzgebiet Bienener Altrhein einige Biologiestudenten. Dozent Martin Erdelen von der Universität Köln schlüpft in die Rolle des Geschäftsführers der Scheinfirma "Natur-Erholungs-? park Bienener Altrhein GmbH" und trägt deren Pläne vor: Alte Baumgruppen werden abgeholzt, um Platz für Liegewiesen zu schaffen, und auf den bislang ungenutzten Wasserflächen dürfen sich Surfer, Segler und Schwimmer tummeln. Die Angler bekommen Stege, die Hungrigen Grillplätze und Restaurants, die Sportlichen Trimm-dich-Pfade und die Faulen ein elektrisches Bähnchen. Ringsherum natürlich (natürlich!!) Erschließungsstraßen und Parkplätze.