Ich fühle mich durch nichts so bedroht wie durch Sicherheitspolitik. Wenn alle meine Nachbarn ihre Häuser verriegeln, dann gefährden sie damit mein ungeschlossenes Haus... Mein Haus wird offen bleiben. Ich will so leben oder nicht... Man hat uns mit der Atombombe doppelt betrogen. Seit es sie gibt, sprechen wir von den Folgen des Krieges ... Der Krieg selbst, das ist die Aufrüstung, das sind unsere friedlichen Armeen, die bis jetzt niemandem was angetan haben. Die nur für die Sicherheit da sind, für jene Sicherheit, die mich gefährdet... Ich weiß, daß es zynisch klingt, wenn ich behaupte, daß ich ein Opfer des Libanon-Krieges sei – es ist zynisch gegenüber den wirklichen Opfern Ich bin ein Opfer des Libanon-Krieges, weil er mich verroht hat, weil ich ihn ertragen und damit den Beweis geliefert habe, daß ich noch mehr ertragen könnte, und weil er dazu beiträgt, daß ich meine persönliche Trauer nicht mehr ernst nehmen darf... Ich weiß, das ist lächerlich ... Aber ich fürchte, wenn ich mit meiner eigenen Traurigkeit nicht mehr umgehen darf, dann werde ich auch nicht mehr umgehen können mit der Traurigkeit der Welt. Der Krieg hat mich bereits erreicht, er ist dabei, meine Gefühle zu zerstören, denn ohne meine persönliche Trauer bin ich entmenschlicht und befinde mich auf dem Weg zum Täter.

Der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel in einer Rede am 7. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse. Für die Malerei, die ja dem Monopol der Handwerk-

lichkeit jahrhundertelang kaum weniger versklavt war, haben indes fünfzig Jahre ausgereicht, die akademischen Festungen restlos zu schleifen. Die Möglichkeit, dies ohne Niveauverlust zu tun, liegt im Bauch des Mediums. Weitaus nicht alle Ideen, die visuelle Form erheischen, sind auf mediale Gelehrsamkeit verwiesen. Manchen ist sie sogar Feind. Der Autodidakt kann daher in der kühnen Rolle des Dilettanten verharren und den Orden der Professionalität durch Sebstverleihung erwerben.

Walter Bachauer, im Katalog zur "Zeitgeist"-Ausstellung

Jean-Améry-Preis

Am 31. Oktober 1982 wäre der Schriftsteller Jean Améry 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß wird zum ersten Mal der mit 10 000 Mark dotierte Jean-Amery-Preis für Essayistik verliehen, den Frau Maria Améry stiftet Preisträger ist Lothar Baier. Die Verleihung findet am 20. Oktober 1982 während der Ausstellungseröffnung Jean Améry - Unterwegs nach Oudenaarde" im Marbacher Schillernationalmuseum statt.

Mario del Monaco