Touristik-König

Reklame ist wichtig, Werbung ist alles. Wer wüßte das besser als Könige, die zu eben diesem Zweck herumgeschickt und eingeladen werden. Falls aber doch Zweifel daran bestanden haben sollten, der bayerische Staatsminister a. D. Rudolf Eberhard, Präsident der deutschen Zentrale für Tourismus, räumte sie endgültig aus. Beim jüngsten Besuch des schwedischen Königspaares in Stadt und Land Coburg rechnete er diesem seinen touristischen Werbewert vor. Auf 100 000 neue Touristen pro gekröntes Haupt kam er dabei. Schmeichelhaft, sicher! Aber sich so unversehens zwischen Milka-Kuh und HB-Männchen wiederzufinden – da erstarb das Lächeln auf dem Gesicht der duldsamen Königin. Eine örtliche Tageszeilichsten Persönlichkeiten Bayerns aus. Kein Wi-

Schmutziger Lorbeer

Pakistan ist zu traurigem Ruhm aufgestiegen: Das Land ist der größte Heroin-Lieferant der Welt geworden. In den kleinen Marktflecken entlang der Nordwest-Grenze – an der alten Seidenstraße nach China – wird reines Heroin in Plastiktüten offen zum Verkauf angeboten. "Wir erleben die größte Heroin-Explosion, die die Welt je gesehen perte urteilte jüngst ein westlicher Rauschgift-Experte nach einer Inspektionsreise durch Pakistan. Von dem Heroin, das die Fahnder in ganz Europa in diesem Jahr beschlagnahmen konnten, stammte mehr als eine Tonne aus Pakistan. Noch vor wenigen Jahren kam aus dem südwest-asiatischen Land nur wenig Heroin: Die Opium-Ernten wurden über Afghanistan zu den traditionellen Verarbeitungszentren im Iran weitergeliefert. Erst als dieser Weg durch die sowjetische Besetzung Afghanistans und durch die iranische Revolution versperrt wurde, bauten die Opiumhändler in Pakistan mit Hilfe ausländischer Chemiker die "landeseigene" Heroin-Verarbeitung aus.

Höflichkeit nach Noten

Bei seinem einwöchigen Staatsbesuch in China wurde Bundespräsident Carstens nicht nur in Reden, sondern auch nach Noten mit Aufmerksamkeit überhäuft. Beim ersten Abendessen in der Großen Halle des Volkes in Peking spielte eine Kapelle der Volksarmee Motive aus Carl-Maria von Webers Volksarmee und Beethovens "Fünfter", der Schicksalssinfonie. Noch ungewöhnlicher wurde Carstens in Xian begrüßt, jener alten Hauptstadt, in der elf chinesische Dynastien über ein Jahrtausend lang residierten. Während die Kellner beim Bankett Fasanenschnitzel und Huhn mit Haifischflossen servierten, intonierte ein Orchester auf chinesischen Instrumenten "Alle Vöglein sind schon da" in immer neuen Variationen. Die Bonner-Bläser-Kammermusik-Vereinigung, die Carstens ins Reich der Mitte begleitete, versagte sich den Gegenvorstoß in chinesische Musikgefilde. Ihre musikalische Beilage zum Bonner Gegenbankett beschränkte sich auf Telemann, Mozart und Händel.

Aufschlußreiche "Mary Rose"