Die Regierung von Südafrika hat beim Internationalen Währungsfonds einen Devisenkredit von 1,1 Milliarden Dollar beantragt. Sofort schlugen die Wellen der Erregung hoch. Soll einem Land, das die Rassentrennung zum Prinzip erhoben hat, international überhaupt geholfen werden? Den meisten Menschen liegt wohl das Nein auf der Zunge.

Doch das wäre falsch. Südafrika ist Mitglied des Währungsfonds und hat den gleichen Anspruch auf einen Kredit wie jedes andere Mitgliedsland. Es muß sich wie jedes andere Land den wirtschaftlichen Auflagen des Fonds unterwerfen, an die er die Kreditgewährung knüpft. Apartheidgegner behaupten, wenn farbige Arbeiter nicht in gutbezahlte Arbeitsplätze kommen können, entstehe künstliche Arbeitskräfteknappheit, die das inflationsfreie Wachstum behindere. Deshalb müsse der Fonds von Südafrika verlangen, die Apartheid aufzugeben.

Man muß nicht Anhänger der Apartheid sein, um diese Sophisterei abzulehnen. Der Fonds gewährt Devisenhilfen nicht von ungefähr nur unter der Bedingung, daß das Land Maßnahmen zur Wiederherstellung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts ergreift und damit die Rückzahlung sicherstellt. In die inneren politischen Verhältnisse darf sich der Fonds nicht einmischen. Sonst könnte es geschehen, daß dem Mitgliedsland Ungarn ein Kredit nur unter der Bedingung der Preisgabe des kommunistischen Systems gewährt wird, weil dieses das Wachstum hemmt. Oder daß die Bundesrepublik einen Kredit nur unter der Bedingung erhält, Berlin aufzugeben, weil die Stadt die Bundesfinanzen belastet. R. H.