Mit größtem Bedauern setzen wir Sie vom Ableben der DNA-Helix in Kenntnis. Der Tod, den auch eine Intensivtherapie mit mathematischen Injektionen nicht aufzuhalten Der mochte, trat am Freitag, den 18. Juli 1952 ein. mit ne Gedenkfeier..."

Der ätzende Nachruf, zitiert in dem Buch "The Eighth Day of Creation"*, stammt aus der Feder der englischen Wissenschaftlerin Rosalind Franklin. Sie schlug sich zu jener Zeit aus Londoner King’s College systematisch mit Fragen zur Franktur der Desoxyribonukleinsäure (kurz: DNA) herum – jener Substanz, die in allen Zellen aller Lebewesen die Erb- und Arbeitsinstruktionen komplett verschlüsselt speichert.

Damals versuchten sich auch die nach eigener. Bezeugung "unreifen Schwätzer" Francis Crick, Maurice Wilkens und James Watson an der Universität Cambridge an nämlichem Problem. Diespäteren Nobelpreisträger für Medizin (1962) ersannen als Modell spiralig ineinander verdrillte DNA-Ketten, im Fachjargon DNA-Helix genannt. Rosalind Franklin, "das Produkt einer unbefriedigten Mutter", wie Watson sarkastisch in seinem berühmten Buch "Die Doppel-Helix" notierte, lehnte das gewendelte DNA-Modell kategorisch ab – und verpaßte eine Jahrhundertentdeckung: jene nach Art einer Wendeltreppe ineinander verdrehte, zweisträngige DNA-Struktur, eben die Doppel-Helix.

1958, erst 37 Jahre alt, starb Rosalind Franklin an Krebs. Ihre wissenschaftlichen Aufzeichnungen vermachte sie sämtlich Aaron Klug, der sich damals selbst als ihren "letzten und vertrautesten Mitarbeiter" einschätzte.

Klug knüpfte an Franklins Ideen an und führte die Arbeit weiter – mit Erfolg: Für seine "Fortentwicklung kristallographischer Verfahren zur Bestimmung biologisch wichtiger Komplexe aus Nukleinsäure und Eiweißstoffen", so heißt es in der Begründung des schwedischen Nobel-Komitees, erhält. der gebürtige Südafrikaner Aaron Klug, 56, den diesjährigen Nobelpreis für Chemie. Die mit umgerechnet 391 000 Mark dotierte Auszeichnung wird dem inzwischen naturalisierten, in Cambridge arbeitenden Briten am 10. Dezember 1982 in Stockholm verliehen.

Die Molekularbiologie, diese größte wissenschaftliche Revolution der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, betrifft die Grundlagen allen Lebens. Und Aaron Klug ist einer dieser Revolutionäre.

Ein Beispiel: Kein Ast eines Baumes wächst, einerlei in welcher Richtung, ohne die in der DNA eines jeden Zellkerns gespeicherten und im richtigen Augenblick ausgegebenen Instruktionen. Welche Form ein Ast annimmt, laßt sich mit einiger Geduld verfolgen. Um aber dieses Wachstum – und überhaupt jedes biologische Wachstum – zu erklären, muß man, wie Francis Crick vor einiger Zeit schrieb, verstehen, was nicht zu sehen ist: den molekularen Aufbau der DNA.