Die Kooperation zwischen Bosch und Matsushita verdirbt Grundig das Konzept

Der Zeitpunkt war geschickt gewählt: Am Donnerstag voriger Woche wollten japanische Industrielle und Regierungsvertreter in Brüssel um good will für die japanische Unterhaltungselektronik werben – da lieferte Bosch einen Tag zuvor den Beweis für die Kooperationswilligkeit der ansonsten so gefürchteten Konkurrenz aus Fernost: Zusammen mit Matsushita, so ließ der Stuttgarter Elektrokonzern verlauten, wird im Frühling nächsten Jahres in Osterode im Harz die Produktion von Videorekordern beginnen.

Viel allerdings ist es nicht, was da in Deutschland gebaut wird: drei- bis viertausend Rekorder sollen von fünfzig Mitarbeitern pro Monat montiert werden; Weltmarktführer Matsushita produziert in Japan in fünf Fabriken hundertmal soviele Geräte. Zwar sollen schon bald mindestens zehntausend Videorekorder – unter der Bosch-Marke Blaupunkt und der Matsushita-Marke National – aus dem Harz kommen, aber auch das ist eine im Vergleich zu japanischen Kapazitäten kleine Zahl.

Es sind denn auch nicht Rationalisierungsüberlegungen, die die Japaner nach Deutschland trieb, sondern Handelspolitik. Sowohl Matsushita-Präsident Toshihiko Yamashita als auch sein Chairman Masaharu Matsushita sind bemüht, Verständnis für ihre europäischen Konkurrenten zu zeigen. Yamashita räumt ein, daß "der Export von fertigen Produkten eine Menge von Problemen aufwirft, besonders können dadurch Arbeitsplätze im Importland gefährdet sein"; Matsushita, Schwieger- und Adoptivsohn des Firmengründers, bietet "technologische Zusammenarbeit" an.

Ein zu großer Export, so fürchtet der Matsushita-Präsident, beschwört die Gefahr des Protektion nismus herauf; und sein Aufsichtsratschef meint, "Deutschland und Japan sollten für den freien Welthandel eintreten, denn für den Verbraucher würden Handelsbeschränkungen nur Nachteile bringen."

Kooperationen mit Firmen in Europa sind deshalb nach Meinung der Matsushita-Führung dringend geboten. Die Zusammenarbeit soll dabei nicht auf den Aufbau einer Montage beschränkt bleiben, auch die Entwicklung neuer Produkte, die "technologische Zukunft" möchte Präsident Yamashita gemeinsam betreiben.

Gerade Matsushita, mit 15,7 Milliarden Dollar Jahresumsatz fast so groß wie Siemens, ist in den nächsten Jahren auf möglichst störungsfreien Handel angewiesen. Denn der größte japanische Elektrokonzern steht vor einem, tiefgreifenden Strukturwandel: Bisher ist Matsushita vornehmlich auf das Geschäft mit dem Konsumenten ausgerichtet; Hausgeräte, Fernseher, Radios und Videorekorder bringen den Löwenanteil des Umsatzes.