Von Tonny Rosiny

Für den Karakorum Highway brauchen Sie keine Erlaubnis mehr!" Nasirullah Awan, Direktor im pakistanischen Tourismus-Ministerium, schiebt unseren Antrag demonstrativ zurück. "Sie können neuerdings sogar bis Pasu fahren!" Pasu, ein einsamer Flecken, liegt jenseits des Himalajas, nur 124 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Für Ausländer ist es die Endstation der Karakorum-Straße.

Zwanzig Jahre lang hat die pakistanische Armee, später zusammen mit den Chinesen, diese abenteuerliche Neuauflage der Seidenstraße aus den Felsen des Himalajas und des Karakorums gesprengt. 1978 wurde sie eröffnet, ein 600 Kilometer langes, gigantisches Werk. Am Schluß arbeiteten hier 15 000 Pakistaner und 10 000 Chinesen. 500 verunglückten tödlich.

Frühmorgens verlassen wir Islamabad, die Hauptstadt Pakistans. Im Pkw fahren wir nordwärts, über Abbottabad Und Mansehra nach Thakot. Zwischen Mansehra und Thakot ist die vier Jahre alte Straße schon sehr beschädigt. In Tha-;ot, am Indus, beginnt der Karakorum Highway, beginnen die chinesischen Brücken und die kahlen, schwarzgrauen Berge. Düster sind sie und unzugänglich.

Zwischen Thakot und Besham zieht der Karakorum Highway, immer am Indus entlang, eine östliche Schleife. Das 2000 Meter hohe Tafelmassiv Aornos zwingt ihn dazu. Vor 2300 Jahren zwang es auch Alexander den Größen, hier innerhalb von drei Tagen, so berichtet zumindest Arrian, einen Damm aus Erde und Strauchwerk durch ein 200 Meter tiefes Tal zu errichten. Dann erst konnte er die Bergstellung eines indischen Königs auf dem Aornos stürmen. Sir Aurel Stein hat hier vermutlich Überreste jenes Athene-Altars gefunden, vor dem Alexander sich bei der Sieges-Göttin bedankt hat.

Besham ist ein langgestrecktes Basar-Nest, übertönt vom Rauschen des Indus, der hier eingeengt und darum wütend dahinstürmt. Die Kohistaner marschieren fünfzig Kilometer und mehr, um hier einkaufen zu können. Sie übersehen uns. Sie mögen die Fremden nicht. Ihre dardische Sprache ist arischer Art, kommt also aus dem Inneren Asiens.

Ihre Heimat, die Kohistani-Berge, ziehen sich auf der anderen Seite des Indus wie Drachenrücken gen Osten, dem 8126 Meter hohen Nanga Parbat entgegen. Kein Nicht-Kohistani wagt sich hier tiefer in die Seitentäler des westlichen Himalajas. Auf einem Gebiet, so groß wie das Rheinland, leben dort einige Hunderttausend Eigenbrötler als absolute Selbstversorger. Starrköpfig verteidigen sie ihren weißen Fleck auf der Landkarte. Vor einigen Jahren griffen sie in Großoffensive die Straßenbaukolonnen an. Sie wollten den Verlauf des Karakorum Highways durch ihr Gebiet verhindern. Über hundert pakistanische und chinesische Arbeiter sollen dabei getötet worden sein.