Mit dem Angebot von Spezialfonds will die DWS Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen verlorengegangenes Terrain zurückgewinnen. Nicht mehr Risikostreuung, sondern Schwerpunktbildung soll die Anlagepolitik bestimmen.

Trotz erheblicher Anstrengungen haben die deutschen Investment-Gesellschaften immer, noch kein Mittel gegen den seit längerer Zeit anhaltenden Mittelrückfluß bei ihren Aktienfonds gefunden. In der Zeit vom 1. Oktober 1981 bis zum 30. September 1982 hat sich das Vermögen der bei dem Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften e.V. registrierten Aktienfonds um weitere 700 Millionen Mark verringert. Dagegen verzeichneten die Rentenfonds einen Zuwachs von rund 2,7 Milliarden Mark.

Das Interesse der Sparer bewegt sich also eindeutig von der Aktie zum festverzinslichen Wertpapier. Der hohe Zins erweist sich reizvoller als die ungewisse Zukunftsentwicklung des Aktienmarktes. Es gibt aber zu denken, daß bei der maßgeblich von der Deutschen Bank beeinflußten DWS Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen mbH, Frankfurt, nicht der in deutschen festverzinslichen Papieren investierende Rentenfonds Inrenta Nutznießer der Flucht aus der Aktie geworden ist, sondern der international anlegende Fonds Inter-Renta, von dem Anteile im Wert von 232 Millionen Mark im Berichtsjahr 1981/82 (30. 9.) plaziert werden konnten.

Inter-Renta erreichte in dieser Zeit je Anteil eine Wertsteigerung von mehr als 26 Prozent. Dazu trugen sowohl die in Dollar-Papieren erzielbaren hohen Renditen als auch Kursgewinne infolge der in den letzten Monaten der Berichtszeit sinkenden Zinsen, aber auch der wieder erstarkende Dollar-Kurs bei. Ob diese günstige Konstellation Bestand haben wird, ist zumindest, was den Dollar-Kurs betrifft, fraglich geworden. Der Abstand zwischen dem deutschen und dem Zinsniveau in den USA hat sich verringert; Kursgewinne sind bei den Dollar-Fonds nur dann zu erwarten, wenn die amerikanischen Währungsbehörden für weitere Zinssenkungen sorgen.

Die Investment-Gesellschaften müssen sich fragen, ob – wie im Falle der Rentenfonds – das Geschäft auch im Aktienbereich durch eine stärkere Internationalisierung aktiviert werden kann. Jede Gesellschaft hat zwar auch heute schon Fonds in ihrem Angebot, die ausschließlich oder überwiegend in ausländischen Aktien investieren, doch führen sie sämtlich mehr oder weniger ein Schattendasein. Ihre Anlageergebnisse sind stark schwankend. Von dieser Seite haben sie sich bislang nicht als sonderlich werbewirksam erwiesen.

Die DWS will demnächst mit der Gründung von Spezialfonds versuchen, neue Sparer an sich zu binden. Und zwar solche, von denen sie annimmt, daß sie eine "größere Wertpapierreife" besitzen. Falls das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen mitmacht, wird es beim DWS künftig zwei Arten von Investment-Sparern geben. Einmal jene, die an der ursprünglichen Investment-Idee festhalten, wie sie im Kapitalanlagegesetz von 1957 niedergelegt ist; sie soll den Sparer an das Wertpapier heranführen und durch eine breite Streuung der im Fonds enthaltenen Aktien das Risiko mindern. Zum anderen aber solche, denen eine erhöhte Beweglichkeit in der Anlagepolitik zugemutet werden kann und die in der Lage sind, das damit verbundene höhere Risiko auf sich zu nehmen.

Der DWS-Plan ist nicht neu. Wenn er bisher nicht realisiert werden konnte, lag dies am Aufsichtsamt, das bisher mit der Genehmigung solcher "Risikofonds" gezögert hat.