New York

in Märtyrer warf sich in Pose. "Ich stünde heute nicht hier, wenn meine Haut weiß und meine Religion presbyterianisch wäre", rief Father Moon seinen 5000 Anhängern zu, die vor dem New Yorker Gerichtsgebäude auf den Freispruch ihres Erlösers harrten. Mitte Mai sprachen zwölf Geschworene nach sechswöchiger Verhandlung Sun Myung Moon und seinen Chef-Buchhalter wegen Steuerhinterziehung und Angabenfälschung schuldig.

Zum erstenmal seit Moon im Jahr 1972 Residenz und Hauptquartier seiner "Vereinigungskirche" in die USA verlegt hatte, war es einem amerikanischen Gericht gelungen, das weitläufige Netz von Geschäft, Religion und Politik der Sekte am Knotenpunkt zu fassen – wegen läppischer 162 000 Dollar, die der koreanische Messias über sein kirchlich und privat vermischtes Kontenlabyrinth am amerikanischen Fiskus vorbeigeschleust hat.

Nur wenige Wochen zuvor hatten die Moonies noch triumphiert. Das höchste Gericht des Staates New York bescheinigte der "Vereinigungskirche" ein Anrecht auf Steuerbefreiung und damit die langersehnte offizielle Anerkennung der krausen Lehre als Religion. Wichtige Schützenhilfe wurde Moon dabei auch durch Vertreter der etablierten Kirchen zuteil, die sich energisch für das Grundrecht der Trennung von Kirche und Staat stark machten. Denn nichts käme auch amerikanischen Katholiken und Protestanten ungelegener als eine mögliche Bedrohung ihrer fiskalischen Sonderstellung.

Trotz der 18 Monate Gefängnisstrafe, die das Bundesdistriktgericht in New York über Moon verhängte, genießt Reverend Moon großzügigere Kautionsbedingungen als Normalsterbliche: Er darf ungehindert reisen, sich weiterhin seiner Großyacht erfreuen und seiner göttlichen Ämter walten. Im Madison Square Garden, New Yorks Arena für Idole jeglicher Art, erteilte er im Krönungsgewand eines mittelalterlichen Fürsten 2075 von ihm persönlich füreinander bestimmten Moony-Ehepaaren den Segen zur rassisch gemischten Fortpflanzung.

Die amerikanischen Behörden und die organisierten Sektengegner sähen freilich lieber, wenn Moon das Land verließe, bevor ihn seine Getreuen als Märtyrer der Glaubensfreiheit verklären können. Zumal er fest auf die Loyalität seiner 3000 bis 5000 Gläubige zählenden Kerngemeinde bauen kann, die ihm ohnehin einen geschäftlichen Erfolg ermöglichte, der zum Beispiel selbst der reichen Mormonenkirche Respekt abverlangt.

Ihren weltweiten Besitzstand beziffert die "Vereinigungskirche" auf ganze 15 Millionen Dollar. Diese Zahl ist so tiefgestapelt wie die Zahl von 30 000 Moonies in Amerika überdreht ist. Die New York Times schätzt allein den Grundbesitz der Sekte in den USA auf "mindestens 25 Millionen Dollar". Zwei Tageszeitungen in New York und die seit Mai erscheinende Washington Times (Startauflage: 130 000), Fischverarbeitungsfabriken in Massachusetts und Alaska, Hafen- und Schiffahrtsbeteiligungen, Ladenketten, Warenlager und Großgrundstücke gehören zum bekannten Moon-Besitz. Dies hat schon Bürgerinitiativen mit Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs gegen die Moonies auf den Plan gerufen.