In der ZEIT Nr. 40 vom 1. Oktober 1982 beschäftigte sich Telebiss unter dem Titel "Posten und Penunzen" mit dem Leben und Treiben der Fernseh-Auslandskorrespondenten. Dazu erreichten uns diese Briefe:

Durch eine mißliche Fügung konnte ich Ihre Meinung über "Posten und Penunzen" in der Zeit vom 1. 10. 1982 erst jetzt lesen. Bei diesem "Biß" habe ich Verständnis für Ihren Wunsch nach Anonymität. Anonymität sollte jedoch kein Vorwand sein, cum ira et sine studio zu schreiben. Wenn Sie Ihren Zorn über besser behandelte Kollegen abladen wollen, sollte das mit einem Mindestmaß an Recherchen geschehen.

Darf ich Ihnen in einem Fall mit etwas Sachkenntnis zur Hilfe kommen? Es betrifft die Dame, die Sie als Galionsfigur für Ihre Sicht der Dinge wählten. Da Sie, wie Ihr Name schon andeutet, offensichtlich keinen Rundfunk hören, ist Ihnen wohl entgangen, daß Juliane Stephan, meine Frau, die ARD nicht nur "mit ihren kurzen Stücken und immer auch mit ihrem Gesicht bedient" hat, sondern in erster Linie mit Beiträgen für den Hörfunk, bei denen das Gesicht bekanntlich nicht zu sehen ist und Telegenität keine Rolle spielt. Sie hätten auch leicht herausfinden können, daß Juliane Stephan die am zweitschlechtesten bezahlte Korrespondentin des Südwestfunks war und auch in der Gehaltsskala der ARD-Auslandskorrespondenten ganz unten geblieben ist. Sie hätten schließlich ohne Schwierigkeiten herausfinden können, daß der Nachfolger Juliane Stephans in Genf, der bisher wesentlich weniger als sie zu hören und zu sehen ist, ein um fast 700 Mark höheres Grundgehalt bezieht. Es gibt eben auch in der ARD Gleiche und Gleichere, wie Sie eigentlich wissen müßten. Darf man sich dagegen nicht wehren? Nur um diesen Punkt geht es Juliane Stephan bei dem Prozeß. Gerhard Henze

*

Moskau

Telebiss ist herzlich eingeladen, in meiner "fürstlichen" Wohnung zu Moskau (sie entspricht der der Fernsehkollegen) einmal "hofzuhalten". Bei dieser Gelegenheit müßte er mir dann freilich verraten, wo es – angesichts unzähliger Doppelbesteuerungs-Abkommen – noch Brutto-für-Netto-Gehälter zu verdienen gibt. "Kräftige Wohnungszuschüsse"? In Rio, New York, Paris oder Tokio können sie gezahlt werden, wenn mehr als beachtliche 26 Prozent des Gehalts für die jeweilige Kaltmiete aufzubringen sind. Bleibt Telebiss in diesen extrem teueren Millionen-Städten mit seinen Salär-Füßen auf der Erde?

Der Vorwurf, bei den Auslandskorrespondenten handele es sich schon um eine "seltsame Mafia", ist sicher nicht ernst gemeint. Warum würde sich sonst die Zeit so bekannter Kollegen wie Thilo Koch, Joachim Schwelien, Ernst Weisenfeld, Ulrich Schiller oder Winfried Scharlau als Mitarbeiter bedienen oder bedient haben, obwohl sie laut Telebiss zu jener Gilde gehören, die sich auf Posten- und Penunzen-Geklüngel konzentrieren.