Hamburg/Bremen

Sie haben maßgeblich mitgeholfen, weltweit Walfangverbote durchzusetzen. Sie haben Robbenbabys das Leben gerettet und in Leningrad, Nevada und im Mururoa-Atoll gegen Atomwaffentests protestiert. Vor einigen Wochen haben sie mit Schlauchbooten die Versenkung von radioaktivem Müll vor der spanischen Küste zu verhindern versucht.

Greenpeace – eine international erfolgreiche Umweltschutz-Organisation: Mit wachsender Publizität meldeten sich immer neue Förderer; Spenden fließen heute reichhaltiger denn je; schon nach eineinhalb Jahren des Bestehens hatte sich "Greenpeace e. V." auch in der Bundesrepublik fest etabliert.

"Greenpeace war ein Fanal" – so begann Rolf Benneke, Mitarbeiter der Bremer Kontaktstelle, am vergangenen Sonntag eine traurige Rede mit dem Schluß: "Heute müssen wir unsere Hoffnungen zu Grabe tragen. Die Greenpeace-Außenstellen Bremen und Kiel stellen hiermit ihre Arbeit ein." Symbolisch überklebte er die Aufschrift "Greenpeace" auf dem Schiff der Bremer durch "Kiespeace". Mit ihrer Absage an die Hamburger Greenpeace-Zentrale folgten die Bremer und Kieler dem Beispiel der Kontaktstelle Münster, die schon im August ihre Mitarbeit aufgekündigt hatte. Die Palastrevolution hatte sich seit Wochen angekündigt. Die meisten unter den mehrere hundert Mitarbeitern der Kontaktstellen und rund 25 Info-Gruppen in der Bundesrepublik waren dem Management in Hamburg schon lange nicht mehr grün. Die Hauptpunkte der Kritik: Mangelnde Information durch die Geschäftsführung, fehlendes Mitspracherecht. Eigenverantwortliche Arbeit sei nicht erwünscht, der Aufbau des Vereins sei undemokratisch.

Die Ursachen des Konflikts liegen in den Strukturen der Organisation, die allein in der Bundesrepublik 8000 Förderer, aber nur wenige (bis vor kurzem nur neun) Mitglieder hat, die aus ihren Reihen den fünfköpfigen Vorstand wählen. Der Gefolgschaft bleibt es vorbehalten, zu spenden, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, T-Shirts und Buttons zu verkaufen und die von der Zentrale beschlossenen Kampagnen vor Ort zu organisieren.

Zwar kann laut Vereinssatzung jedermann Mitglied werden, die letzte Entscheidung über eine Aufnahme aber behält sich der Vorstand vor, und der hat es bislang immer bei einer Handvoll Auserwählter belassen, "weil wir kein Massenverein werden wollen", so Geschäftsführerin Monika Griefahn: Basisdemokratie sei nicht machbar, "klare Strukturen" seien nötig für wirkungsvolle Umweltschutzkampagnen.

Es kam zu Verdächtigungen und Anschuldigungen. In einer an die Presse gegebenen Erklärung erhoben Kritiker den Vorwurf, Greenpeace arbeite mit den vielen Spendengeldern ineffizient, kostspielige Aufträge seien unnötigerweise an Firmen vergeben worden, obwohl die Arbeiten auch von Mitarbeitern hätten erledigt werden können. Der Vorstand entgegnete, die Helfer seien nicht zuverlässig gewesen, Ausgaben von monatlich über 5000 Mark für eine Werbeagentur rechtfertigte er mit dem Hinweis, die Agentur habe für fast 150 000 Mark kostenlosen Anzeigenraum auftreiben können.