DIE ZEIT

Rückschlag

In Nordirland ist wiederum ein Versuch gescheitert, den zerstrittenen Bevölkerungsgruppen der unruhigen englischen Provinz eine Alternative zum Terror wie zur Direktregierung von der Londoner Zentrale zu weisen.

Im Verlies

Weit hinten in der Türkei sitzt ein junger Deutscher im Kerker und weiß nicht recht, wie ihm geschehen ist. Vor fünf Monaten war Ralf Braun, ein 29 Jahre alter Reiseleiter aus dem Badischen, nach Ostanatolien gekommen; er sollte eine Gruppe Akademiker und Ärzte auf einer Bildungsreise durch Kurdistan begleiten.

Freistoß

Fast alle Staaten stellen sich am liebsten durch Sport und Fernsehen dar. Kolumbien ist jetzt aus dieser Riege ausgeschert. Es hat aus finanziellen Gründen auf die Fußballweltmeisterschaft 1986 verzichtet.

Ein Anfang der Halbheiten

Die Ereignisse lassen sich am besten mit den Worten Helmut Kohls beschreiben – nicht des jetzigen Bundeskanzlers, sondern des ehemaligen Führers der Opposition.

Schiff ohne Kiel

Noch steht in den Sternen, ob der Bonner Wechsel jene Wende überhaupt einleitet, derentwegen er veranstaltet worden ist, da hat er schon Folgen gezeitigt, die möglicherweise schwerer wiegen als alles, was er bisher zustande gebracht hat.

Worte von Helmut Schmidt

"Niemand wird Anlaß haben, an meiner tief verwurzelten sozialdemokratischen Gesinnung zu zweifeln. Ich habe mein Leben der Sozialdemokratie und ihren Zielen und Aufgaben gewidmet – das wird auch so bleiben!" 26.

Die Liberalen haben noch eine Chance

Die Freie Demokratische Partei lebt gefährlich, seit es sie gibt. Sie hat niemals so gefährdet gelebt wie seit dem 17. September und den Wochen davor.

Billy Graham in der DDR: Exote auf Tournee

Die auffällig unauffälligen grauen Männer auf den Straßen um die Ostberliner Gethsemane-Kirche wären nicht nötig gewesen. Vor Billy Graham hätten sie ihren Staat nicht zu schützen brauchen, auch wenn der amerikanische Baptist bei seiner einwöchigen DDR-Tournee etwa 23 000 Besucher anziehen konnte.

SED-Attacke: Autoren an der Kandare

Schriftsteller in Ländern, die sich sozialistisch nennen, haben – im Gegensatz zur viel beklagten Existenz ihrer Beliebigkeit im Westen – stets eine Funktion: Funktionär sein oder ein von Funktionären Geprügelter sein.

Wolfgang Ebert: Mut zur Lücke

Schlechte Nachricht für alle, die am 6. März Geburtstag haben! Der 6. März fällt nämlich 1983 aus. Wie wir aus ungewöhnlich gut informierten Bonner Kreisen erfuhren, wird dieser Tag – um dem ganzen Heckmeck um den vorgezogenen Neuwahltermin und die damit verbundenen verfassungsrechtlichen Probleme ein Ende zu bereiten – kurzerhand aus dem Kalender gestrichen.

Frankreich: Kein Pardon

Der französische Staatschef, François Mitterrand, wollte Gnade walten lassen: Zwanzig Jahre nach ihrem mißlungenen Aufstand in Algier sollte den einstigen Putsch-Generälen völlige einstigen gewährt werden.

Rom: Berlinguer bleibt hart

Wadim Sagladin, der Vizechef der Auslandsabteilung im Moskauer Zentralkomitee, reiste nach fünf Tagen "privaten" Aufenthalts in Italien mit fast leeren Händen zurück.

Nahost: Die Ablehnungsfront bröckelt

Schützenhilfe für dieses waghalsige Unternehmen, so behaupten es jedenfalls die Nahost-Berater im Weißen Haus, erhielt Reagan vorige Woche durch die Zusagen einer Delegation der Arabischen Liga unter Führung des marokkanischen Königs Hassan.

Streiter gegen die Apartheid

Von Anfang an war er eine Herausforderung für die südafrikanische Regierung. Beyers Naudé, der weiße Theologe, setzte sich mit ganzer Kraft für eine Versöhnung der Weißen mit den Schwarzen ein; er war die "Hoffnung wider aller Hoffnung", daß Südafrika umkehre und vor einem mörderischen Rassenkrieg bewahrt werden könne.

Sie meinten es ja so gut

Doch die SPD/FDP-Koalition hat an der Wirtschaft und den Menschen vorbei reformiert Von Gerd Bucerius

Fernseh-Zeit: Gleiche und Gleichere

Durch eine mißliche Fügung konnte ich Ihre Meinung über "Posten und Penunzen" in der Zeit vom 1. 10. 1982 erst jetzt lesen. Bei diesem "Biß" habe ich Verständnis für Ihren Wunsch nach Anonymität.

Medien-Strategie: Trauer um das Tageblatt

Noch 1933 erschienen in Heidelberg fünf lokale Tageszeitungen. Nach dem Krieg waren davon zwei übriggeblieben: die SPDnahe Rhein-Neckar-Zeitung und das kleinere konservative Heidelberger Tageblatt, das zunächst teilweise und 1968 vollständig in den Besitz der Haas-Gruppe überging.

Schäfer in Berlin: Sitzen – das darf er nie

Was, Schäfer? Kann man gucken kommen?" An ungläubige Reaktionen auf seinen Beruf ist Siegfried Hondo gewöhnt. Doch Journalisten und Besucher hat er stets abgewimmelt.

Bundeswehr: Der Anti-Rekrut

Weil sich die Gesetzessprache ihrer noch nicht angenommen hat, nennt man sie pauschal "Totalverweigerer" – Wehrpflichtige, als tauglich gemustert, die weder ihre fünfzehn Monate in der Bundeswehr abdienen noch einen Ersatzdienst leisten wollen.

Greenpeace im Zwist

Sie haben maßgeblich mitgeholfen, weltweit Walfangverbote durchzusetzen. Sie haben Robbenbabys das Leben gerettet und in Leningrad, Nevada und im Mururoa-Atoll gegen Atomwaffentests protestiert.

Lateinamerika: Förderliche Einseitigkeit

Bereits zum sechstenmal ist ein Lateinamerika-Jahrbuch erschienen, das sich einen festen Platz in Wissenschaft und Politik erobert hat – nicht immer ohne Widerspruch; aber auch heftiger Widerspruch signalisiert, daß etwas ernstgenommen wird.

Abschied von einem Götzen

Helmut Kohl sah natürlich keinen Anlaß, die Lage zu beschönigen. Die neue Koalition beginne ihre Arbeit inmitten der schwersten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik, erklärte er vor dem Bundestag.

Commerzbank: Mobilisiert

Durch einen einfachen Buchungstrick will die Commerzbank stille Reserven von rund 500 Millionen Mark zur Aufbesserung ihrer Bilanz sichtbar machen.

Internationale Währungsfonds: Apartheid

Die Regierung von Südafrika hat beim Internationalen Währungsfonds einen Devisenkredit von 1,1 Milliarden Dollar beantragt. Sofort schlugen die Wellen der Erregung hoch.

Concorde: Vor dem Ende

Sie war der Stolz der Briten und Franzosen: die Concorde, das erste Überschallflugzeug im Passagierdienst. Sie überquert den Nordatlantik in dreieinhalb Stunden, in der Hälfte der Zeit, die normale Ziviljets für diese Strecke benötigen.

Umweltschutz: Zweifel kommen auf

Weder der Bundeskanzler noch sein Innenminister vermitteln den Eindruck, als würden sie auf dem Felde des Umweltschutzes besonders aktiv werden.

Gewerkschaften: Wieder Schulterschluß mit der SPD

Die Demonstrationskampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes gegen die Sparbeschlüsse der neuen Bundesregierung sind auf scharfen Protest der Arbeitgeber gestoßen: Sie seien eine Belastung des politischen und sozialen Gesamtklimas.

Bonner Kulisse

Forschungsminister Heinz Riesenhuber hat Probleme mit seinem Personal. Eine ganze Reihe von Unions-Parteigängern innerhalb und außerhalb des Ministeriums hatten sich Hoffnungen auf schöne Posten gemacht.

Unterhaltungselektronik: Der japanische Trick

Der Zeitpunkt war geschickt gewählt: Am Donnerstag voriger Woche wollten japanische Industrielle und Regierungsvertreter in Brüssel um good will für die japanische Unterhaltungselektronik werben – da lieferte Bosch einen Tag zuvor den Beweis für die Kooperationswilligkeit der ansonsten so gefürchteten Konkurrenz aus Fernost: Zusammen mit Matsushita, so ließ der Stuttgarter Elektrokonzern verlauten, wird im Frühling nächsten Jahres in Osterode im Harz die Produktion von Videorekordern beginnen.

DeLorean: Mit Kokain gegen die Pleite

John DeLorean war am Dienstag voriger Woche nicht zu erreichen, er saß im Flugzeug nach Los Angeles. Deshalb konnte ein Investmentmakler auch sein Rettungsangebot für DeLoreans Autofabrik in Nordirland nicht mehr loswerden, deshalb geht wohl in Dunmurry ein Traum zu Ende, deshalb wird DeLorean angeklagt, mit Rauschgift gehandelt zu haben.

Öffentliche Aufträge: Guter Draht nach Bonn

Wer die öffentliche Hand recht zu nehmen weiß, der darf sich wohl ins Fäustchen lachen. Günter Fraschka, Verleger aus dem badischen Neckarzimmern und bis vor kurzem Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Neckar-Odenwald, lacht schon seit langem.

Manager und Märkte

Der Plan ist kühn, doch wie er funktionieren soll, wissen seine Väter so recht noch nicht zu sagen. Geplagt von drückenden Überkapazitäten und anhaltenden Verlusten haben Europas führende neun Hersteller von Chemiefasern beschlossen, bis 1986 Produktionsanlagen für 500 000 Jahrestonnen stillzulegen.

Kein Koalitionskonflikt

Scharrenbroich: Zunächst ist richtig, daß die neue Regierung im Gegensatz zur früheren von den Höherverdienenden überhaupt einen zusätzlichen Konsumverzicht abfordert.

Zeitraffer

Die Inflation ist in der Bundesrepublik weiter auf dem Rückzug. In Nordrhein-Westfalen wird sie in diesem Oktober erstmalig seit über drei Jahren wieder die Fünf-Prozent-Grenze unterschreiten.

Ein Viertel lebt vom Export

Gut 25 Prozent der gesamten deutschen Bruttoproduktion sind für den Export bestimmt – direkt oder indirekt. Zwar werden nur gut dreizehn Prozent aller produzierten Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkauft.

Ist die Bundesbank an der Arbeitslosigkeit schuld?: Pöhl - der Sündenbock

Der Wahlkämpfer hatte an der Zinsfront mehr Erfolg als der Regierungschef. Kaum hatte Altbundeskanzler Helmut Schmidt vor der IG Bau-Steine-Erden die Bundesbank gemaßregelt und sie aufgefordert, die Zinsen um zwei bis drei Prozentpunkte zurückzunehmen, da beschlossen die Währungshüter in Frankfurt tatsächlich eine Zinssenkung – wenn auch nur um ein Prozent.

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