Von Jes Rau und Wilfried Kratz

John DeLorean war am Dienstag voriger Woche nicht zu erreichen, er saß im Flugzeug nach Los Angeles. Deshalb konnte ein Investmentmakler auch sein Rettungsangebot für DeLoreans Autofabrik in Nordirland nicht mehr loswerden, deshalb geht wohl in Dunmurry ein Traum zu Ende, deshalb wird DeLorean angeklagt, mit Rauschgift gehandelt zu haben.

So banal endet die Geschichte eines Mannes, der mit 47 Jahren die Spitze des größten Autokonzerns der Welt erklomm und beste Aussichten hatte zum President von General Motors aufzusteigen; der dann "GM feuerte", wie sich ein Kommentator bei DeLoreans Ausscheiden aus dem Konzern ausdrückte, und auf ein Jahreseinkommen von 650 000 Dollar verzichtete, um Autos auf eigene Faust zu bauen; dem gewiefte Geschäftsleute ihr Geld anvertrauten und die biedere Labour-Regierung in London 138 Millionen Dollar für den Bau einer Sportwagenfabrik in Nordirland zur Verfügung stellte. Die Geschichte endet in einer Zelle im Gefängnis von Los Angeles – in enger Nachbarschaft mit Nutten, Straßenräubern und Mördern.

DeLorean hat versucht, ein Leben wie in einem Werbefilm zu führen. Denn für ihn liegt das Heil im Besitz schöner Dinge, rassiger Autos, geschmackvoller Wohnungen und sonstiger Dekorationsobjekte. Obwohl eigentlich ein "treuer, konservativer Mensch", wie er bei einem Interview bekannte, führte er jahrelang das Leben eines Casanova, mit immer neuen Starlets und Fotomodellen im Schlepptau. (Seine jetzige, dritte Frau ist die – dreißig Jahre jüngere – Christina Ferrare, des öfteren auf den Titelseiten von Modezeitschriften wie Vogue und Cosmopolitain zu sehen.) Trotz Vorliebe für kalorienreiche Küche (seine Mutter war Österreicherin, sein Vater Elsässer) hat er sich die schlanke Figur eines "dressman" erhalten – durch ständiges Hungern und ständiges bodybuilding. Und obwohl mittlerweile 57 Jahre alt, kontrastiert sein graumeliertes Haar mit einem faltenlosen Gesicht – dank einer Schönheitsoperation.

DeLorean gab sich den angemessenen Rahmen, wie etwa das Hauptquartier seiner DeLorean Motor Company, das sich in der Luxussuite eines Hochhauses in New York an der Park Avenue befindet. Die Räumlichkeiten sind mit sicherem und teurem Geschmack ultramodern eingerichtet, die Kunstobjekte aus Chrom und Plastik vermitteln dem Besucher das Gefühl, in eine exklusive Diskothek geraten zu sein. Sein Schreibtisch steht vor einem riesigen Fenster, das einen Blick freigibt auf schier endlose Wolkenkratzer und das ferne Gewusele aus Autos und Menschen in den Straßenschluchten: New York zu seinen Füßen – das ist der angemessene Hintergrund für John DeLorean.

DeLorean zeichnet aus, daß es. ihm so lange gelungen ist, Image und Person in Übereinstimmung zu halten. Für seine Autofirma ließ er sich den passenden Werbespruch einfallen: "Live the dream." Sein eigenes Leben orientierte sich eher an der Devise "Dream the life."

Die Unterscheidung zwischen Realität und selbstgeschaffenem Mythos, zwischen Image und wirklicher Person war DeLorean zuletzt offensichtlich nicht mehr klar. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, daß all seine hochfliegenden Pläne mit einem Fehlschlag enden könnten. "Ich habe noch nie versagt, und dabei soll es bleiben", meinte er noch vor wenigen Wochen.