Wie alles anfing, weiß keiner mehr so recht: War es ein Gerücht, eine Mitteilung, oder bereits ein handfester Vertrag? Die Ruhe jedenfalls war hin in dem kleinen Ammerseedorf Inning, als Mitte September das lästerliche Ansinnen ruchbar wurde: Die Moon-Sekte, so die Hiobsbotschaft, wolle eine leerstehende Villa am Ortsrand kaufen, samt 25 000 Quadratmetern Grundstück, für 1,8 Millionen Mark.

Wäre der Leibhaftige über die oberbayerische Gemeinde gekommen, der Aufruhr hätte ärger nicht sein können. "Wir wären verdammt in alle Ewigkeit", erkannte CSU-Bürgermeister Franz Pupeter. Im berstend vollen Gasthaus Silberfasan beruhigte Pater Claudius von der Benediktiner-Abtei St. Ottilien seine verunsicherten Schäflein. Eine zornige Bürgerinitiative sammelte flugs fast 1500 Unterschriften, auf daß "Inning kein Mooning" würde.

Die Glaubensprüfung der wackeren Inninger war erst überstanden, als Norbert Thiel, des koreanischen Propheten deutscher Presseapostel, aus Frankfurt herbeieilte und offenbarte, seine Organisation sei "nie an diesem Objekt interessiert gewesen". Nunmehr will die Gemeinde das Grundstück erwerben – und feilscht mit dem Eigentümer, den sie im Verdacht hatte, er habe mit dem Sektenschreck die Dörfler aufs Kreuz legen wollen.

Ein "Schildbürgerstreich" (Thiel), eine Preistreiberposse, gewiß. Niemanden freilich hätte gewundert, wenn die geschäftigen Missionare des koreanischen Sektenführers Sun Myung Moon tatsächlich hinter der Inninger Villa hergewesen waren.

Die "Vereinigungskirche", so nennt sich die Sekte selber, gilt als zahlungskräftig; sie hat nach eigenen Angaben 2500, deutsche Mitglieder und ist eine der erfolgreichsten neuen Jugendsekten in der Bundesrepublik. Etwa 800 Moon-Anhänger, erklärte Ende August die Bundesregierung in der Antwort auf eine Anfrage der CDU/CSU im Bundestag sind Vollzeit-Missionare, ausschließlich damit beschäftigt, für Moon durch Hausmission, Geldsammelaktionen und durch Mission auf öffentlichen Straßen und bei Veranstaltungen zu werben".

Nicht genug: Im September des Vorjahres verkündete die Sekte, daß sie künftig ihre "europäische Mission auf Deutschland konzentriert". Seitdem machen die Moonies mobil, haben sich die frommen Brüder in der Bundesrepublik an allen Fronten mächtig ins Zeug gelegt.