Schlechte Nachricht für alle, die am 6. März Geburtstag haben! Der 6. März fällt nämlich 1983 aus. Wie wir aus ungewöhnlich gut informierten Bonner Kreisen erfuhren, wird dieser Tag – um dem ganzen Heckmeck um den vorgezogenen Neuwahltermin und die damit verbundenen verfassungsrechtlichen Probleme ein Ende zu bereiten – kurzerhand aus dem Kalender gestrichen.

Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen, aber wenn es soweit kommt, dürfte so manchem ein Stein vom Herzen fallen. Weil es ihre Galgenfrist bis Herbst 1984 verlängern würde, herrscht bei der FDP verhohlener Jubel. Auch die Union kann ihre tiefe Erleichterung kaum verbergen, kommt sie doch auf diese billige Weise um ihr fatales Wahlgelübde herum, ohne sich deswegen des Wortbruchs zeihen lassen zu müssen. Und selbst bei der SPD ist man darüber gar nicht so unglücklich, weil ihr das eine willkommene Gelegenheit bietet, noch lange zu lamentieren, sie sei nicht nur durch Verrat von der Macht vertrieben, sondern auch noch durch eine Daten-Manipulation von ihr weiter ferngehalten worden.

Nun ist es gewiß nicht unproblematisch, einen Tag im Jahr einfach abzuschaffen, aber auch nicht problematischer, als an diesem Tag vorgezogene Neuwahlen durchzuführen! Jedenfalls bedarf es dazu – nach Artikel 75, Abs. 6 des GG – nur einer einfachen Mehrheit, auch bleibt das Datenschutzgesetz davon unberührt.

Mit Widerstand ist allerdings zu rechnen, nicht nur von der Lobby der "Geburtstagsgeschädigten", die nicht einsehen wollen, daß gerade sie dem Gemeinwohl ein Opfer bringen sollen, sondern vor allem von den Kirchen und den Gewerkschaften, die auf ihr verbrieftes Feiertagsrecht pochen werden. Um ihnen allen für den 6. März einen Ersatz zu bieten, könnte man ja den 31. Juni 1983 zum Feiertag machen. Wer würde denn nicht einen zum Feiertag erhobenen Freitag im Sommer einem Sonntag im März vorziehen, wenn es noch winterlich grau und kalt ist und der Frühling noch in weiter Ferne?

Nein, dem 6. März würde keiner eine Träne nachweinen, mit einem Tag wie dem 24. Dezember kann er sich nun mal nicht messen. Am 6. März wurde kein Reich gegründet, keines zerstört, wurde kein Goethe geboren, starb kein Mozart, wurde kein Cäsar ermordet, kein Amerika von Kolumbus entdeckt. Kann allerdings sein, daß er nun doch in die Geschichte eingeht, aber nur unrühmlicherweise als der Tag, der 1983 einfach ausgefallen ist.

Mal Hand aufs Herz: wer würde ihn schon groß vermissen? An diesem 6. März war doch nie viel dran. Kann sich einer an einen besonders schicksalhaften Tag mit diesem Datum erinnern? Hat sich ausgerechnet am 6. März jemand Hals über Kopf verliebt und den Mann – bzw. die Frau fürs Leben gefunden? War das nicht eher meist ein Tag des Zankes, weil wieder mal ein Ehepartner den Hochzeitstag verdrängt hatte?

Machen wir uns doch nichts vor – seit der Einführung des Kalenders ist das ein Datum gewesen, an das man lieber nicht erinnert werden mochte, das man lieber vergessen sollte. Und damit wollen wir auch gleich anfangen. Die ganze Zeit ist nämlich die Rede von einer Bundestagswahl, die 1983 stattfinden soll, und zwar am ... am ... am ...