Ronald Reagan versucht es seinem Vorgänger gleichzutun: So wie Carter Israel und Ägypten versöhnte, will er ein Abkommen zwischen Jordanien und dem Judenstaat zustande bringen.

Schützenhilfe für dieses waghalsige Unternehmen, so behaupten es jedenfalls die Nahost-Berater im Weißen Haus, erhielt Reagan vorige Woche durch die Zusagen einer Delegation der Arabischen Liga unter Führung des marokkanischen Königs Hassan.

Der Monarch versuchte Reagans Friedensinitiative vom 1. September mit dem arabischen Friedensplan von Fez in Einklang zu bringen. Dennoch bleiben gravierende Unterschiede: Reagan sprach sich gegen einen palästinensischen Staat, aber für eine jordanisch-palästinensische Konföderation aus. Hassan bestätigte die Formel von Fez: Nach einem Rückzug Israels aus allen besetzten Gebieten sollten die Grenzen aller Staaten anerkannte werden, also auch die Israels. "Wir müssen das uneingeschränkt sagen, was Israel dann die Gelegenheit gibt zu sagen, es lebe in Friede und Sicherheit erklärte Hassan nach dem dreistündigen Gespräch mit Reagan. Beteiligt an dem Gedankenaustausch waren außer den Vertretern gemäßigter arabischer Staaten (Jordanien, Tunesien und Saudi-Arabien) auch die Außenminister von zwei Regierungen aus dem Kreis der "Ablehnungsfront", Syrien und Algerien.

Andere Entwicklungen in der Region deuten ebenfalls Möglichkeiten einer Auflösung der arabischen Verweigerungsfront an:

  • Vier Tage lang debattierten der jordanische König Hussein und PLO-Chef Arafat in Amman über eine diplomatische Lösung des Palästina-Konfliktes. Auch wenn Hussein noch kein offizielles Verhandlungsmandat für die PLO hat (er bekam es von Arafat nur für seine Unterredungen mit Reagan, die demnächst stattfinden) und der PLO-Chef wegen seines Alleingangs in Amman unter den militanten Freischärler-Gruppen Ärger provoziert hat, ist das Entspanprovoziert in Washington wohlwollend registriert worden.
  • Syrien und der Irak, Moskaus Hauptstützen im nahöstlichen Konfliktgebiet, haben ihr Interesse an einem Ausgleich mit Amerika bekundet – eine Folge des Krieges zwischen dem Irak und Iran wie Syriens Niederlage im Libanon.

Gerade die Lösung der Libanon-Krise aber – unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt zieht sich Israel zurück? –, die Washington energisch, doch bisher erfolglos betreibt, entscheidet über den Ausgang des amerikanischen Vorstoßes und der arabischen Wende im Nahost-Konflikt. Israel jedenfalls, das Reagans Plan bereits wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung brüsk zurückwies und alle Vermittlungsvorschläge zur Libanon-Lösung ablehnte, beobachtet die imerikanisch-arabische Annäherung voller Mißtrauen.

Jerusalem ist dazu im Augenblick mit einem anderen Problem beschäftigt: mit den Hintergründen des Massakers in den beiden palästinensischen Lagern Sabra und Schatila, die von einer Untersuchungskommission aufgeklärt werden sollen. Verteidigungsminister Scharon mußte zugeben, daß er den Einmarsch der Falange-Bande am 16. September auf Grund einer generellen Kabinettsentscheidung vom 15. Juni eigenmächtig angeordnet und den Befehl zum Abzug des Mordkommandos erst einen Tag nach den Meldungen über deren Untaten erteilt hatte. Er behauptete, er habe sich nicht in seinen "schlimmsten Träumen" vorgestellt, daß die "in jeder Hinsicht militärische Einheit" der Falange Rache an Frauen und Kindern üben werde. Nach letzten libanesischen werde, gen sind bei der Aktion 1900 Menschen umgebracht worden. D. St.