Seit die Ministerpräsidenten der Länder vor fünf Jahren beschlossen hatten, den Numerus clausus auf elf Fächer zu beschränken, hat sich eine Menge geändert. Die Ausbaupläne der Universitäten wurden von Bund und Ländern gekappt. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, der den Professoren stets einen Teil der Lehrverpflichtungen abnahm, wurde reduziert. Die Zahl der Studenten aber stieg weit über alle Prognosen hinaus. An den Unis ist es eng geworden.

Schon erschallt der Ruf nach einem Heilmittel, dessen schädliche Folgen in den siebziger Jahren unbestritten waren: Der Numerus clausus soll wieder eingeführt werden. Auf der letzten Sitzung der Kultusminister forderten mehrere Länder den "NC" für das Fach Jura. Die Ministerpräsidenten erörterten letzte Woche, ob sie ihren "Öffnungsbeschluß" von 1977 nicht revidieren müßten. Ende dieser Woche wird der Verwaltungsrat der Zentralstelle für Studienplatzvergabe (ZVS) entscheiden, ob die Zahl der studienplatzbeschränkten Fächer von elf auf mindestens zwölf ausgedehnt werden soll.

Wäre die Ausdehnung des Numerus clausus auf das Fach Jura nicht ein vergleichsweise kleiner Schritt, mag sich manch einer fragen. Mitnichten. Würde Jura gesperrt, dann bliebe vielen Studenten keine andere Wahl, als auf Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft auszuweichen. Und wenn diese beiden Fächer auch noch beschränkt würden – was als fast zwangsläufige Folge gilt –, dann blieben allein jene wenig populären Studiengänge unbeschränkt, die auf ein Staatsexamen für das Lehramt hinauslaufen. Ein Numerus clausus für Jura, das muß man annehmen, hätte den nahezu totalen Numerus clausus zur Folge.

Wegen der Folgewirkung auf die anderen Fächern wird sich wohl eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Wissenschafts- und Kultusministern aus Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, gegen den NC für Jura aussprechen. Münchens Hans Maier und Düsseldorfs Hans Schwier, die beiden wichtigsten Minister in dieser Runde, kamen unlängst überein, lediglich die Wahl des Studienortes für Jura zu begrenzen.

Ein erfreuliches Zeichen, da hier eine Übereinkunft frei von politischen Opportunitätserwägungen getroffen wurde. Jetzt müssen sich allerdings die Universitäten mit einer Reihe von Alternativvorschlägen auseinandersetzen, die Hans Maier letzte Woche den Rektoren und Kanzlern der Hochschulen seines Landes unterbreitete: Die Professoren sollen – ohne zusätzliches Gehalt – mehr Seminare und Vorlesungen halten. Die "normalen" Unis sollen das Angebot der Fernhochschulen verstärkt nutzen. "Zeitprofessoren" sollen vorübergehend Lücken schließen. Die Studienzeiten müßten weiter verkürzt werden und – vielleicht die bitterste Pille – die Semesterferien sollen von fünf auf vier Monate gekürzt werden.

Peter Pedell