Die Sparsamkeit der Krankenkassen macht dem Deutschen Bäderverband Kummer, er meldet starke Buchungsrückgänge. Die Kurverwaltungen wollen die Baisse mit neuen Ideen überwinden.

Den Funktionären schwant Übles. Nichts deutet nach Ansicht deutscher Kurdirektoren darauf hin, daß die neue Bonner Regierung die Ursache der grassierenden Bäderflaute, das Kostendämpfungs-Ergänzungsgesetz, aus der Welt schaffen wird. Für die meisten Heilbäder bedeutet dies: Die Krankenkassen werden weiterhin ihre Zuschüsse für Erholungskuren auf das medizinisch Notwendige beschränken, die Nachfrage nach Trink-, Kneipp- oder sonstigen Therapien bleibt schwach.

Die Krise in den Kurorten (die ZEIT berichtete darüber in ihrer Ausgabe Nr. 30 vom 23. Juli am Beispiel Bad Orb) führt mitunter gar zu Katastrophenmeldungen. So sprach der Deutsche Bäderverband von Buchungsrückgängen bis zu 50 Prozent, von einem Verlust Tausender Arbeitsplätze. Noch düsterer sehen Sozialmediziner die Zukunft. Sie befürchten, daß langfristig die Zahl der Frührentner drastisch steigen wird.

Eine kleine Bäderstatistik über das erste Halbjahr 1982 (die nur wenige Orte als Beispiele herauspickt) weist zwar Verluste allenthalben aus, gibt aber keinen Anlaß zu übertriebenem Wehgeschrei. Nach der Studie lag der Gäste-Schwund nur in einzelnen Fällen, beispielsweise in Bad Kohlgrub und in Bad Mergentheim, bei etwa 24 Prozent, sank der Verkauf von Kurmitteln um 4 bis 30 Prozent. Eberbach zum Beispiel verlor nur eineinhalb Prozent Besucher und gab sogar doppelt so viele Kurmittel ab wie im ersten Halbjahr 1981. Etwa ein Drittel der in der Untersuchung genannten Kurorte (unter anderem Bad Dürrheim, Bad Brückenau und Sobernheim) mußte einige Ganztagsstellen kündigen oder in Teilzeitjobs umwandeln, davon betroffen waren jeweils zwischen zwei und zwölf Personen.

Die Kurverwaltungen machen sich darüber Gedanken, wie das Ausbleiben der Gäste zu verhindern sei, denn die Betriebskosten bleiben unverändert hoch. Zur besseren Auslastung bieten daher einige Orte verstärkt Sonderprogramme an – zum Beispiel Seminare gegen Streß, Akupunktur-Kuren oder Kurcamping. In Zukunft will man besonders jene Leute ansprechen, denen nach dem Gesetz keine Kur zusteht. Mit gezielter Werbung und preiswerten Pauschalangeboten versuchen sich die Kurverwaltungen, wie zum Beispiel die von Bad Mergentheim, dem unvermeidlichen Strukturwandel anzupassen, der eine Bewußtseinsänderung bei den Urlaubern voraussetzt: Wer sich bei einer Kur erholen will, muß auch bereit sein, sie selbst zu bezahlen. Isolde von Mersi