Erfolglos hat der sowjetische Ideologie-Experte Sagladin versieht, Italiens Kommunisten wieder auf den Kurs des Kreml einzuschwören. Parteichef Berlinper blieb hart.

Wadim Sagladin, der Vizechef der Auslandsabteilung im Moskauer Zentralkomitee, reiste nach fünf Tagen "privaten" Aufenthalts in Italien mit fast leeren Händen zurück. Er konnte sich mit den italienischen Kommunisten – Berlinguer empfing Sagladin erst am Ende des Besuches für zwei Stunden – nur darauf einigen, daß "solche Begegnungen nützlich sein können, wenn sie im offensten Klima stattfinden und eine gegenseitige Information und Erläuterung der Position jeder Seite erlauben, im Respekt vor der Autonomie des Urteils jeder Partei".

Um auch öffentlich keinen Zweifel zu lassen, was das heißt, druckte das Parteiorgan Unitá am Tage von Sagladins Abreise einen Kommentar ihres Warschauer Korrespondenten: nach dem Verbot von Solidarność, deren Prestige riesig bleibe, sei die Parole der nationalen Verständigung in Polen "ein pures Wort ohne Inhalt geworden".

Polen ist ein Reizwort für die italienischen Kommunisten. Dabei hätte der Moskauer Funktionär fast einen anderen Eindruck gewinnen können. Nachdem er in Bologna den Moskauer Standpunkt ohne Schärfe, ja mit einer Mischung aus scheinbarer Toleranz und milder Herablassung verfochten hatte, bedachten ihn mehr als die Hälfte der meist jugendlichen Zuhörer mit demonstrativem Beifall. Die "prosowjetische Seele" der Partei schien sich kräftig zu rühren.

Doch die KPI-Führung in Rom, ließ sich nicht einschüchtern. Sie weiß, daß die Lautstärke der "Moskophilen" – verstärkt noch durch die Aufmerksamkeit, die ihnen Italiens Antikommunisten widmen – in keinem Verhältnis zu ihrer Zahl steht.

Ihnen galt ein Warnschuß, den die Parteiführung noch während der Anwesenheit Sagladins abfeuerte. Roberto Napoleone, Verleger einer prosowjetischen Zeitschrift, wurde aus der Partei ausgeschlossen. Hansjakob Stehle (Rom)