Begeisterung löst die Art und Weise wie der Stahlstreit mit den USA beigelegt worden ist in der deutschen Stahlindustrie nicht aus, wohl aber Erleichterung. Denn: Es hätte alles noch schlimmer kommen können. Dabei ist, was jetzt vereinbart wurde, schon schlimm genug.

Das Stahlabkommen beschränkt die Ausfuhr aus Europa in doppelter Hinsicht, denn gleichzeitig mit der Begrenzung des Marktanteils schrumpft auch der Markt. Die Möglichkeit, sich bei sinkender Nachfrage mit höheren Marktanteilen schadlos zu halten, ist aber durch das Abkommen verbaut.

Die Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie rechnet für 1983 – Quote und Marktschrumpfung zusammengenommen – mit einer Einbuße von rund 500 000 Tonnen im Jahr. Im Klartext: Die deutschen Lieferungen gehen von jeweils 1,2 Millionen Tonnen in den Jahren 1981 und 1982 auf rund 700 000 Tonnen im kommenden Jahr zurück.

Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob es für die deutschen Werke nicht besser gewesen wäre, wenn die US-Regierung die angedrohten Strafzölle verhängt hätte. Denn von ihnen wären die Unternehmen in der Bundesrepublik kaum betroffen gewesen. Vor allem die britische Stahlindustrie hätte nicht mehr in die USA liefern können – für die deutschen Stahlfirmen wäre Terrain freigeworden.

Aber ganz weiß ist die Weste der Deutschen nun auch wieder nicht. Zwar sind sie – noch – weitgehend frei von Subventionen, können aber nicht für sich in Anspruch nehmen, daß sie bei Verkäufen in die USA immer die vollen Kosten decken. Das genau war aber Gegenstand einer zweiten Verfahrenswelle, bei der es um den fair value‚ die echten Kosten, ging. Man mußte davon ausgehen, daß auch deutsche Unternehmen mit Strafzöllen belegt worden wären.

Andererseits hätten geringere Exporte europäischer Konkurrenten in die USA sich auf dem europäischen Markt ausgewirkt – die Unternehmen hätten hier Absatz gesucht und das mühsam aufrechterhaltene Preisniveau wohl endgültig – zur Strecke gebracht. So gesehen, ist die Selbstbeschränkung das kleinere Übel.

Eingehandelt hat sich die Bundesrepublik überdies die Zusage des EG-Kommissars Davignon, Preisunterschiede innerhalb der Gemeinschaft noch im Laufe dieses Jahres zu beseitigen. Gegenwärtig können französische Verarbeiter ihren Stahl um mehr als hundert Mark pro Tonne billiger kaufen als ihre deutschen Konkurrenten.