Von Anfang an war er eine Herausforderung für die südafrikanische Regierung. Beyers Naudé, der weiße Theologe, setzte sich mit ganzer Kraft für eine Versöhnung der Weißen mit den Schwarzen ein; er war die "Hoffnung wider aller Hoffnung", daß Südafrika umkehre und vor einem mörderischen Rassenkrieg bewahrt werden könne. Doch die Buren haben ihn dafür bezahlen lassen. Seit fünf Jahren steht Beyers Naude unter Bann, eine Art Gefangenschaft im eigenen Haus. In Südafrika spricht man davon, daß die Gebannten "gesellschaftlich tot" seien.

Der 68jährige Beyers Naudé ist für die Buren eine stete Provokation, weil er ein "weißer Umgekehrter" ist. Er kommt aus dem weißen Establishment, gehörte dem Broederbond an, der geheimen Machtzentrale, und stieg in die höchsten Ämter der Kirche auf. Doch 1960 sagte er all dem ab. Ihn hatte das Blutbad von Sharpeville, einer Bantu-Stadt bei Johannesburg, an der Apartheidpolitik irre gemacht: Als die Schwarzafrikaner damals friedlich für ihre Bürgerrechte demonstrierten, richtete die Polizei ein Massaker unter ihnen an.

1963 gründete Beyers Naudé das "Christliche Institut". Dort arbeiteten Schwarze und Weiße gleichberechtigt zusammen. Das Ende kam 1973. Die Regierung behauptete, das Institut sei eine "Gefahr für den Staat": Beyers Naude wurde der Prozeß gemacht.

Am 31. Oktober läuft der Bann aus. Noch ist nicht entschieden, ob er verlängert wird oder ob Beyers Naudé sich danach frei bewegen kann.

Gisela Albrecht