In den frühen siebziger Jahren gab es in allen größeren Universitätsstädten florierende spezielle Studenten-Reisebüros. Gleichzeitig kamen immer mehr Veranstalter auf den Markt, die ungezwungenen Urlaub für Nachwuchsakademiker anboten.

Zu Recht nannten sie sich "Europas größtes Jugend- und Studentenreiseunternehmen", die Deutschen Jugend- und Studentenreisen (DJSR). Doch das ist Ruhm von gestern. Spätestens seit der spektakulären DJSR-Pleite im Oktober 1975 wurde Fachleuten klar, daß im Studentenreisegeschäft ein tiefer Strukturwandel eingesetzt hatte. Die Studenten waren schnell reisemündig geworden. Sie mieden fortan den fertigen Pauschalurlaub und organisierten verstärkt ihre Reisen selbst. Notgedrungen mußten sich die noch existierenden Spezialisten darauf einstellen. So "erfanden" Studenten-Reisebüros das billige Fliegen und das preiswerte Bahnfahren. Doch diese Rosinen haben ihnen die normalen Reisebüros inzwischen auch längst aus dem Kuchen genommen. Billigflugtickets oder die Transalpino-Bahnfahrkarten gibt es überall zu kaufen. Umgekehrt ist es den Studenten-Reisespezialisten nie so recht gelungen, im gesamten Jugendreisegeschäft Fuß zu fassen. Die Großen der Urlaubsbranche, wie TUI mit "Twen Tours" oder NUR mit "Club 28", haben das immer rasch und wirkungsvoll zu verhindern gewußt.

Nur wenige Studenten-Reiseveranstalter fanden in diesen Jahren Marktlücken, die sie vor der Pleite bewahrten; Doch selbst diese cleveren Akademiker blicken skeptisch in die Zukunft, denn in jüngster Zeit sind die Probleme noch größer geworden. Den Studenten fehlt mehr und mehr das Geld für eine Urlaubsreise. Die Bafög-Einnahmen fallen immer magerer aus, und ein Ferienjob ist nur noch schwer zu finden. Wer trotzdem noch etwas in seiner Urlaubskasse hat, will dafür möglichst weit und lange verreisen. "Deshalb werden die Reisebüroausgaben unserer Kundschaft auf ein Minimum beschränkt, wird höchstens noch der für uns wenig lukrative Transport gebucht", beklagen die Reiseverkäufer an der Uni.

Einigen ehemaligen Studenten-Reissspezialisten ist der lange Marsch in die Marktlücken zweifelsohne recht eindrucksvoll gelungen. Vom Studenten- und Hochschulreisedienst (SHR), der an der Freiburger Uni tätig ist, spricht kaum noch jemand, dafür aber um so mehr von dessen hundertprozentigem Tochterunternehmen Jet-Reisen in Frankfurt, dem interchalet-Ferienwohnungsvermittler und den ssf-Sprachreisen. Studiosus-Reisen, auch einmal auf dem Campus gegründet, gehört inzwischen zu den bekanntesten deutschen Studienreisenanbietern. Die "Studentenreise Bochum" haben sich erfolgreich auf Australienreisen spezialisiert. Der Kölner Jugendfahrtendienst kam sogar mit der TUI ins Geschäft, hat für sie in diesem Sommer erstmals ein Kinderreiseprogramm aufgelegt. Eine Reihe ehemaliger Studenten-Reisedienste ist inzwischen auch zu normalen Vollreisebüros herangereift.

Bereits mit Beginn der politischen Studentenbewegung in den sechziger Jahren begannen einige Studenten -Reisefunktionäre ihre ausschließlich auf die Hochschule beschränkte "elitäre" Arbeit zu überdenken. Ihrer Meinung nach sollte billiges Reisen für alle da sein, sollten angehende Akademiker weder im Alltag noch im Urlaub unter sich bleiben. Inzwischen hat die Marktentwicklung die Idealisten von damals eingeholt.

Willi Bremkes