Von Jörn Kraft

Krise ist seit längerem angesagt, Wirtschaftskrise. Die Daten lassen keine andere Deutung mehr zu, wer sie auch verwalten mag in Bonn. Zwei Millionen Arbeitslose verstellen jeden Ausblick.

Krise zum Beispiel in der Haushaltsgeräte-Industrie, auffällig geworden durch den Beinahe-Konkurs der AEG.

Die deutsche Haushaltsgeräte-Industrie ist krank. Warum? Weil die deutschen Haushalte gesund sind. Stark, gesund und satt. Gut versorgt mit Technik zum Kochen, Waschen, Spülen, Grillen, Bügeln, Toasten, Pressen, Schneiden, Mixen, Hobeln, Kneten, Rühren. Was man braucht, ist da, und noch das eine oder andere darüber hinaus.

Wer hat die deutschen Haushalte so stark und satt gemacht? Die deutsche Haushaltsgeräte-Industrie. Was hat sie davon? Krise.

So einfach und so fatal folgt das eine aus dem anderen, alles Strukturelle einmal abgerechnet. Der private Konsum will nicht mehr so wachsen, wie er der Produktivität halber wachsen müßte. Das ist der Kern der Krise in jeder zweiten Branche. Auf dem privaten Konsum aber ruht die Hauptlast der Verantwortung für Auftragslage und Beschäftigung. Die öffentlichen Hände haben nicht viel und wissen nicht viel zu investieren, was der Wirtschaft durchgängig zu tun gäbe. Die Unternehmer ihrerseits rühren sich nur, wenn sie Hoffnung haben, daß mit ihrem Angebot der Appetit des Verbrauchers zunimmt.

Der Haushaltsgeräte-Industrie täte ein Trend zum Zweit-Bügeleisen not, zum Staubsauger mit Vier-Kanal-Funkfernsteuerung oder zum elektrischen Korkenzieher. Die abenteuerlichsten Weiterentwicklungen wären recht, wenn sie nur nachgefragt würden. Der Verbraucher aber, seiner Verantwortung nicht restlos bewußt, ist unschlüssig. So dringlich jedenfalls, wie nach Arbeit gerufen wird, so dringlich wird durchaus nicht nach den Ergebnissen der Arbeit gerufen.