Filme auf Bestellung sind ein neues Serviceangebot deutscher Hotels, Einige Häuser bieten es kostenlos, andere verlangen einen Aufpreis, verachten dafür aber

Die Tagung ist beendet, die Verhandlungen sind abgeschlossen – Feierabend auf einer Geschäftsreise. Was macht der Hotelgast, wenn er zum Ausgehen keine Lust hat und das Fernsehprogramm zu langweilig ist? Er drückt aufs Knöpfchen seines Zimmer-TVs und bekommt "Herzflimmern".

Louis Malles französischer Liebesfilm ist nur einer von ein paar Dutzend Videofilmen, die mittlerweile von einigen Hoteliers als zusätzlicher Service angeboten werden. Nach dem Vorbild des "inhouse movie" bieten vornehmlich Häuser der Luxusklasse eine mehr oder minder freie Filmwahl im eigenen Zimmer.

Das Hamburger Intercontinental präsentiert seinen Gästen in allen 300 Zimmern täglich vier verschiedene Kassetten, zwei in Deutsch, zwei in Englisch. Alle 14 Tage wird das Programm gewechselt, es besteht vorwiegend aus Abenteuerfilmen und lustigen Streifen à la Hallervorden oder Funes. Sex wollen die Hanseaten nicht über ihre pri-Fernsehstation schicken. Verkaufsdirektor Gerhard Hausch: "Nein, da sind wir sehr konservativ." Sein Kollege Michael Bruhn, Empfangsdirektor im Ramada Renaissance Hotel Hamburg, muß sich ähnlich prüde geben. "Obwohl ich überzeugt bin, daß 80 Prozent unserer Gäste nichts dagegen hätten, nehme ich auf die übrigen 20 Prozent Rücksicht", erläutert der Empfangsdirektor sein Programm, das dem vom Interconti gleicht, aber mit vier jeweils deutschen und englischen Titeln doppelt so umfangreich ist.

Beiden Häusern gemeinsam ist auch der Preis, den die Gäste für einer Belmondo oder Spencer zahlen müssen: gar nichts. Selbst die Hoteliers zahlen für die Filme, wie auch für die Rekorder und die komplette Kabelanlage, keinen Pfennig. Sämtliche Unkosten werden von der "Television Video Informations Service GmbH" übernommen. Deren Marketingleiter Jens Peter Jansen meint: "Ich kann doch nicht einem Gast, der 200 Mark für das Zimmer zählte noch acht Mark für einen Videofilm abnehmen."

Die TVIS, Branchenführer unter 30 Mitbewerbern in diesem neuen Markt, holt sich ihre Kosten über die Werbung wieder herein. Denn alle 20 Minuten wird das laufende Programm automatisch für einen zweiminütigen Werbespot unterbrochen. Zumindest ist dies so vom 1. Januar 1983 an geplant; bisher laufen die Kassetten in der Testphase ohne Stopp und an bis zu zehn festgelegten Terminen pro Tag.

Reklamefrei, jetzt und zukünftig, können bisher; nur die Gäste der Penta-Hotels und der Novotel-Häuser. ihre Western und Eastern anschauen. Und Softsex-Streifen gibt es dort auch zu sehen. Dafür muß der Gast aber für jede Kassette sieben (Penta) oder neun (Novotel) Mark bezahlen.