Junge Wissenschaftler vor einer ungewissen finanziellen und beruflichen Zukunft

Von Susanne Mayer

Da brütet einer über Aschenproben aus Vulkangestein und versucht, in den Spuren von Vergangenem Chronologien zu lesen. Eine Kollegin katalogisiert Kachelöfen aus dem Badischen. Hier rätselt jemand über das "Chaotische Verhalten dynamischer Systeme", dort forscht einer in den Blättern des englischen Magazins Punch nach Parodien über Oscar Wilde. Die vier gehören zu den rund 20 000 Doktoranden, die sich derzeit in Deutschland ihren Doktorhut verdienen wollen.

Zu wenig Stipendien

Ihr Tun verklärt sich vielen, die nicht dazugehören, zur verlängerten Mußestunde, in denen jemand das Glück hat, sich den ganzen Tag über nur mit dem zu beschäftigen, was ihn interessiert. Aber die gut- und manchmal auch böswillig lächelnden Leute übersehen meist, daß den Doktoranden selbst das Lächeln längst vergangen ist. "Es möcht’ kein Hund so länger leben", stöhnte schon Faust, Prototyp des deutschen Intellektuellen.

Mit ähnlichem Jammern wird der große Vorgänger von den Nachwuchswissenschaftlern im Goethejahr oft zitiert, aus Gründen, die beinahe klassisch sind. Es geht um die Zukunft und ums Geld.

Schon der Entschluß zur Promotion ist etwas anderes als die Wahl eines Hobbys. Hochschulabsolventen ist das inzwischen ganz klar. Ihnen stellt sich die Frage, wie sie dem Schicksal der inzwischen 76 000 arbeitslosen Akademiker entgehen können – eine besonders dringliche Frage für die Geisteswissenschaftler, die hier mit fast 24 000 den größten Posten ausmachen.