Die Demonstrationskampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes gegen die Sparbeschlüsse der neuen Bundesregierung sind auf scharfen Protest der Arbeitgeber gestoßen: Sie seien eine Belastung des politischen und sozialen Gesamtklimas.

Was haben die Arbeitgeber, was haben führende CDU-Politiker eigentlich erwartet? Daß die Gewerkschaften ihren Kampf gegen die Sparbeschlüsse jetzt nach der "Wende" aufgeben? Daß sie womöglich gar dem törichten Vorschlag des Bundesarbeitsministers und IG-Metall-Mitglieds Blüm, eine Lohnpause einzulegen, zujubeln?

Schneller als gedacht, hat sich das Blatt gewendet. Als der Deutsche Gewerkschaftsbund die Protestkundgebungen beschloß, sollten sie sich gegen die sozial-liberale Koalition richten. Oppositionsführer Helmut Kohl versicherte damals die Gewerkschaften seiner Sympathie und Solidarität.

Jetzt bei den vor Wochen beschlossenen Rundgebungen ist Helmut Kohl selbst als Bundeskanzler Zielscheibe der Gewerkschaftsproteste gegen eine Politik, die – so der DGB – "unsozial und beschäftigungspolitisch verfehlt ist". Jetzt zeigt sich auch, wie hohl Kohls Versprechungen waren.

Die Gewerkschaftsführer wußten das. Eugen Loderer, der Vorsitzende der IG Metall, machte sich damals zu ihrem Sprecher und beschied die Avancen der CDU abschlägig, weil "deren Programmpunkte eher den Vorstellungen der Gewerkschaften abträglich" seien.

Die Gewerkschaften wollten "keine andere Regierung", sondern "eine andere Politik". Ihre Führer, zumeist altgediente Sozialdemokraten, waren verbittert und enttäuscht, weil sie sich von ihren sozialdemokratischen Freunden im Stich gelassen fühlten. Aber sie hatten die vage Hoffnung, mit ihren Protesten den Sozialdemokraten den Rücken zu stärken gegen den freidemokratischen Koalitionspartner.

Eine andere Politik wollen die Gewerkschaften auch heute noch, auch unter der anderen Regierung. Und es zeigt sich, daß ihr Protest sich im Kern gegen die Politik des Wirtschaftsflügels der FDP, gegen den alten und neuen Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff richtet. Unter der neuen Konstellation im Parlament müssen sie aber wohl ihre Hoffnungen aufgeben, noch etwas bewirken zu können.