Die Inflation ist in der Bundesrepublik weiter auf dem Rückzug. In Nordrhein-Westfalen wird sie in diesem Oktober erstmalig seit über drei Jahren wieder die Fünf-Prozent-Grenze unterschreiten. Um 4,8 Prozent kletterten die Preise nach fünf im September und noch 5,2 Prozent im August. Die stärksten Preistreiber sind derzeit Elektrizität, Gas und Brennstoffe mit 8,2 Prozent. Auch Nahrungs- und Genußmittel – eine Folge der Tabaksteuererhöhung um fast ein Drittel – lagen mit 5,6 Prozent Preisanhebungen über dem Durchschnitt.

Einen neuen, aber traurigen Rekord bringt der Oktober bei der Arbeitslosigkeit: Die 1,9-Millionen-Grenze wird überschritten. Damit wird die höchste Beschäftigungslosenzahl für diesen Monat seit der Währungsreform im Jahr 1948 erreicht.

Doch der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit ist wohl noch nicht erreicht. Nach den Erwartungen der fünf führenden Konjunkturforschungsinstitute wird die Arbeitslosenzahl in den Wintermonaten 1982/1983 auf 2,5 Millionen steigen.

Mit dem Problem der steigenden Arbeitslosigkeit müssen auch die übrigen EG-Länder leben. Mit insgesamt 11,2 Millionen Arbeitslosen waren im September erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg mehr als zehn Prozent der Erwerbstätigen ohne Arbeit. Mit einer Arbeitslosenquote von 10,1 Prozent hat die EG die USA eingeholt.

Schlechte Zeiten für die Finanzminister in Bund und Ländern. In diesem und im kommenden Jahr nämlich hat der Staat mit Mindereinnahmen von insgesamt 25,5 Milliarden Mark gegenüber den bisherigen Planungen zu rechnen. Allein der Bund, so errechnete soeben der Arbeitskreis Steuerschätzung, muß seine Steuereinnahmen um minus 5,4 Milliarden Mark für dieses Jahr und um 10,3 Milliarden Mark für 1983 gegenüber der Schätzung vom Juni dieses Jahres korrigieren. Die Steuerschätzer, gehen davon aus, daß das Bruttosozialprodukt in diesem Jahr um 3,7 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Mark steigt.

Mit Preissenkungen und Erhöhungen ihrer Ölförderungen haben die arabischen Ölländer gedroht, wenn andere Mitgliedsländer der OPEC, wie Venezuela, Iran und Libyen, sich nicht an die Vereinbarungen über Preise und Förderquoten halten. Ölfachleute ziehen daraus den Schluß, daß die Golf-Länder noch vor der nächsten OPEC-Ministerkonferenz im Dezember in Nigeria Preissenkungen verbunden mit Förderausweitungen beabsichtigen. Die Verbraucherländer vernehmen dies nicht ohne Freude. gf