Rascher als erwartet mußte der deutsche Kapitalmarkt auf dem Felde der inländischen Emissionen Abschied vom Achtprozenter nehmen. In dem verständlichen Verlangen, ein weithin sichtbares Zinssignal zu setzen, wurde die neue Bundesanleihe nur nochmit einem Nominalzinssatz von 7,75 Prozent ausgestattet. Bei einem Ausgabekurs von 99 Prozent bringt sie bei nur achtjähriger Laufzeit eine Rendite von 7,92 Prozent.

Die erste Reaktion auf diese Emission war distanziert, obwohl die Konditionen auf dem Papier gerade noch marktgerecht waren. Rentenmarktexperten warnen aber davor, die aus konjunkturpolitischen Gründen dringend erwünschte Zinssenkung zu rasch zu betreiben. Denn ein Rückschlag könnte für den Kapitalmarkt verheerende Folgen haben. Im Augenblick lebt der Rentenmarkt von der Zinssenkungsphantasie, von der Spekulation auf Kursgewinne. Die Stunde der Wahrheit kommt, sobald erkennbar wird, daß sich der Zins wieder seinem untersten Punkt nähert. Und dieser braucht nicht – wie 1977 – erst bei 6,5 Prozent zu liegen.

Zahlreiche Kapitalsammelstellen sind dazu übergegangen, durch Umschichtungen in Papieren mit langen Laufzeiten sich die heute noch vergleichbar guten Renditen langfristig zu sichern. Dabei wurden auch die lange Zeit ein Schattendasein führenden sechsprozentigen Pfandbriefe und Kommunal-Obligationen wieder entdeckt, deren Laufzeiten zum Teil in das nächste Jahrtausend hineinreichen. Ihr Markt ist allerdings sehr eng geworden. Zum Teil auch dadurch, daß sich die Aussteller, also die Realkreditinstitute, selbst für diese Papiere interessiert haben.

Im Gegensatz zu früher hat der deutsche Aktienmarkt bislang nur sehr zurückhaltend auf die Zinssenkung reagiert. Zu verdanken ist dies sowohl der wachsenden innenpolitischen Unsicherheit in der Bundesrepublik als auch den düsteren Konjunkturprognosen, die für 1983 kein wirtschaftliches Wachstum in unserem Lande mehr voraussagen.

Viele Ausländer sind schockiert über das, was sich zur Zeit in der Bundesrepublik abspielt. Ihren Ruf, ein Hort politischer Stabilität zu sein, büßt sie immer mehr ein.

Unter diesen Umständen wird in den Börsensälen gespannt der für Anfang November vorgesehenen Kapitalerhöhung der Deutschen Bank entgegengeblickt. Ein hoher Anteil ihrer Aktien befindet sich in den Händen von Ausländern. Eine Voraussage darüber, inwieweit diese sich an der Kapitalerhöhung beteiligen werden, ist schwer zu machen. Mit ziemlicher Sicherheit werden aber die meisten großen deutschen Aktienfonds, soweit sie Aktien der Deutschen Bank in ihren Portefeuilles haben, keine jungen Aktien beziehen. Die Fonds leiden noch immer unter Mittelabflüssen und haben für den Erwerb junger Aktien kein Geld.

Bei der Deutschen Bank stellt man sich deshalb darauf ein, für einen Teil der neuen Aktien auch neue Aktionäre finden zu müssen. Das ist bei "preiswerten" Kursen natürlich eher möglich als bei Notierungen, die sich auf einem historischen Höchststand bewegen. Möglicherweise ergeben sich während des Bezugsrechthandels Chancen, besonders günstig bei der Deutschen Bank "einsteigen" zu können. Schließlich ist die Deutsche Bank bekannt dafür, Bezugsrechtnotierungen dem freien Spiel der Marktkräfte zu überlassen.