ARD, Sonntag, 24. Oktober: "Euer Goethe – unser Goethe", das 150. Todesjahr in Frankfurt und Weimar. Rückblick von Hans S. Lampe.

Schade, es fing so lustig an. Zwei Herren gleichen Namens, zwei Hoffmann heißende Kulturverwalter, bedankten sich sich an Goethes Geburtstag mit artigem Wort bei den herrschenden Mächten: Hoffmann eins in Weimar bei der Sowjetunion für erwiesene Freundschaft, Hoffmann zwei in Frankfurt bei Hermann Josef Abs für bekundete Munifizenz. (Das Tischbein-Bild, Goethe in der Campagna zeigend, durfte im Frankfurter Schauspielhaus aufgehängt werden.)

Eine schöne Pointe zu Beginn – doch leider auch die einzige, sofern man nicht den Kalauer, das Gedicht "Füllest wieder Busch und Tal" bei hellem Tageslicht vor der Bank für Gemeinwirtschaft ertönen zu lassen, für eine Pointe hält.

Goethe-Jubiläen in der DDR und bei uns: Oh ja, daraus hätte sich schon etwas machen lassen, mit einiger Überlegung. Es wäre reizvoll gewesen, denke ich, Schulpläne und universitäre Studiengänge unter dem Stichwort "Goethe-Lektüre" miteinander zu vergleichen, reizvoll, den neuen (und total mißlungenen) Aufbau des Weimarer Goethe-Museums mit der Anordnung westlicher Klassikerexponate zu konfrontieren, reizvoll, eine "Tasso"-Inszenierung aus der Hauptstadt der DDR gegen eine Münchner Interpretation zu halten.

Aber das habe man ja getan? Eben nicht! Statt die gleiche Szene, einmal so und einmal so gespielt, vorzuführen, konstruierte der Filmemacher einen Gegensatz zwischen Inkommensurablem und interpretierte das gezeigte am Ende auch noch falsch: Im Gegensatz zur Berliner "Tasso"-Aufführung, wurde erklärt, sei die Münchener ganz aufs Wort gestellt worden.

Wirklich? Der Betrachter am Bildschirm hatte da seine Zweifel: In Berlin sprachen Tasso und sein Herzog ruhig und diszipliniert, in München hingegen, wo es angeblich "leise" zugegangen sein soll, gestikulierte Ferraras Dichter verwegen, die Mimik war barock, die Sprache auch. Man hatte offenbar die falsche Szene ausgesucht.

Und was für den Un-Vergleich von Tasso hüben und Tasso drüben gilt, das gilt für den Goethe-Film insgesamt. Wo alles darauf ankam, in exakter Gegenüberstellung Parallelen und Widersprüche ans Licht zu befördern, tat man sich an Zufallskonfrontationen und Anreicherung: von Beliebigkeiten gütlich. Nach Herzenslust, irgendwohin, gehüpft und gesprungen! Von Walser auf Schmeller gekommen! (Beide, das ist wahr, haben Eckermann porträtiert – aber was hat das mit dem Thema zu tun?) Und was, fragte man sich, hat es für einen Sinn, einen West-Regisseur und einen West-Cheflektor zu befragen, wenn keine entsprechenden Ost-Interviews folgen?