Sie erinnern sich, Herr Abgeordneter, der Bonner Hauptbahnhof mit den Freitagnachmittags-Gesichtern, und wir beide dann im Inter-City. Hinter Köln hoben Sie plötzlich Ihren Kopf und belegten die Gegend mit dem Spruch: "Ja, draußen im Lande." Ihre Stimme stand dabei unter dem geübten Druck von innen.

Ich gab meiner Stimme daraufhin mehr Tiefe und folgte Ihnen mit dem Füllsel: "Ja, in diesem, unserem Land." Da fielen Sie mir mit geschwollener Stimme ins Wort: "Man darf jetzt auch wieder Vaterland sagen." Das klang wie ein Kommando, und ich wollte schon gehorchen. Aber der Zug rollte gerade über Weichen, und ich sagte, wann für mich erst mal Schluß gewesen sei mit Vaterland, Vätern und Söhnen, und mir die unsentimentale Verkürzung "Unser Land" langsam und hartnäckig wieder eine Art von Vertrauen einflößte. Ihr Kopf saß fest genug für die Erinnerung, und ich rundete ab: Dieses "Draußen im Lande" und "In diesem, unserem Land" oder ganz einfach "Im Lande" hätte den abgestandenen Beigeschmack verquaster Bonner Hauptstadtarroganz.

Ja, da gaben Sie sich einen Ruck: "Sagen Sie doch lieber Mutterland, siehe Muttererde und Mutterliebe. Machen Sie es doch den Grünen nach, fühlen sich mal als Liedermacher."

Und weil die DDR gar nicht so weit weg war, kamen Sie auf "Deutschland" und sprachen der Vollständigkeit halber gleich von den Schwestern und Brüdern da drüben. Ich sagte dann auch "Deutschland", aber nicht so heftig und laut und atmete etwas tief.

Erinnern Sie sich? Und in unser Schweigen platzte ich dann mit der schlichten Bezeichnung "Bundesrepublik". Worauf warteten Sie denn noch? Doch wohl nicht auf "Draußen in der Bundesrepublik" oder "In dieser, unserer Bundesrepublik". Ich blieb bei "Bundesrepublik". Deutschland ist es ja sowieso. Sie erinnern sich, Herr Abgeordneter?