Von Erika Martens

Einen größeren Gefallen hätten die Arbeitgeber der Druckindustrie den Verfechtern der Mediengewerkschaft gar nicht tun können. Ihre Einschätzung, wonach die einheitliche Vertretung aller Beschäftigten dieser Branche eine "Gefahr für die Freiheit unserer Gesellschaft" ist – könnte so manchen Zauderer noch in die Arme der geplanten Mediengewerkschaft treiben.

Gerade rechtzeitig kam die böse Schelte – nach Ansicht vieler Funktionäre – vor allem für die Fundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU), die auf ihrem Gewerkschaftskongreß in der kommenden Woche in Lahnstein die entscheidenden Weichen für die Mediengewerkschaft stellen will. In ihr wollen sich neben der RFFU, die IG Druck und Papier und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zusammenschließen, um der zunehmenden Konzentration in allen Medien endlich eine schlagkräftige Organisation der Beschäftigten gegenüberstellen zu können. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe entwickelt seit Anfang des Jahres ein Modell der künftigen Interessenvertretung.

"Wir sitzen im D-Zug, und der darf nicht stehenbleiben", beschrieb Alfred Horné, Vorsitzender der RFFU und engagierter Kämpfer für die Mediengewerkschaft, vor einigen Wochen die Lage. Skeptiker allerdings fürchten, daß womöglich "nur die Lokomotive ankommt, die Wagen aber auf der Strecke bleiben".

In Lahnstein könnte genau das passieren. Denn wenn die RFFU-Delegierten den medienpolitischen Leitantrag ablehnen, wird nicht nur der fünfköpfige RFFU-Vorstand zurücktreten, sondern dann ist, fürchtet mancher, "auch der Zug für die Mediengewerkschaft abgefahren".

Doch ganz so schlimm soll es nach dem Willen der Gegner dieses Antrags nicht kommen. Sie wollen sich nämlich durchaus zur Mediengewerkschaft bekennen. Doch der Antrag will mehr. In ihm soll auch der Austritt der RFFU aus der Gewerkschaft Kunst, unter deren Dach die RFFU lebt, sanktioniert werden und dagegen will sich ein großer Teil der 210 Delegierten in Lahnstein zur Wehr setzen. Nach Ansicht mancher Befürworter der "Elefantenhochzeit" (Rüdiger Niemann vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger) könnte dies den Kontrahenten auch lediglich als Vehikel dienen, die Mediengewerkschaft zu verzögern oder ganz zu verhindern.

Die Gewerkschaft Kunst, mit rund 42 000 Mitgliedern kleinste Schwester im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), ist eine Kartellgewerkschaft, also ein Dachverband mit insgesamt acht Einzelverbänden, von denen die RFFU mit ihren etwa 20 000 Mitgliedern die größte ist. Sie ist überdies seit eh und je Kostengänger der gemeinsamen Gewerkschaftskasse – der DGB mußte Jahr für Jahr 50 000 bis 60 000 Mark zuschießen, um sie am Leben zu erhalten.