Im vergangenen Jahr flossen mehr als vier Milliarden Mark in sogenannte steuerbegünstigte Kapitalanlagen. 1982 werden es nicht weniger werden. Kein Wunder, wenn sich die Banken intensiver um den "grauen Kapitalmarkt" zu kümmern beginnen.

Mit der Ankündigung einer Zwangsanleihe für Besserverdienende hat die Abschreibungsbranche für ihr Jahresendgeschäft unverhofft Schützenhilfe von der neuen Bundesregierung erhalten. Denn wer sein steuerpflichtiges Einkommen unter die projektierte Höchstgrenze drücken will, kann dies mühelos über Beteiligungen an steuerbegünstigten Kapitalanlagen schaffen. Das wird den politischen Streit um solche Objekte mit Sicherheit anheizen. Dies um so mehr, wenn clevere Anlageberater auch noch in großformatigen Anzeigen mit der Aufforderung "Machen Sie dem Finanzamt einen Strich durch die Rechnung" Kunden für ihre Objekte anzulocken versuchen.

Nun sind Abschreibungsobjekte an sich nicht anrüchig. Sie können es auch nicht sein; denn der Gesetzgeber – sieht man einmal von dem Sonderfall Bauherrenmodelle ab – hat die ihnen zugrunde liegenden Steuersparmöglichkeiten deshalb geschaffen, um privates Kapital dorthin zu lenken, wohin es aus Rentabilitätsgesichtspunkten sonst nicht fließen würde, wie zum Beispiel in den Wohnungsbau oder in Luft- und Schiffahrtsbeteiligungen.

Die Banken haben sich erst relativ spät in das Geschäft mit Steuervorteilen eingeschaltet. Und wenn, wurden meist nur einzelne Objekte angeboten. Eine systematische Anlagebetreuung erfolgte nicht. Das Geschäft überließ man den privaten Initiatoren, von denen viele – solange sie nur einigermaßen seriös blieben – sich inzwischen eine "goldene Nase" verdient haben. 80 bis 90 Prozent der Umsätze aus dem sogenannten "grauen Kapitalmarkt" werden auch heute noch von freien Anlageberatern getätigt.

Daß diese Leute mit den Kundeneinlagen abziehen, wurmt viele Banker. Wenn schon der Kunde ein steuerbegünstigtes Engagement sucht, dann will man sich zumindest einen Provisionsertrag daran sichern. Bisher war das Geschäft eher aus dem Blickwinkel der Finanzierung bestimmter Objekte betrachtet worden.

Die DG Deutsche Genossenschaftsbank, Frankfurt, nähert sich diesem Geschäft von der anderen Seite. Über ihre Tochtergesellschaft, der DG Anlage-Gesellschaft, stellt sie Beteiligungsangebote an steuerbegünstigten Kapitalanlagen in ihr Gesamtkonzept "Vermögensberatung", das die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Kunden ebenso berücksichtigt wie Aspekte wie Risikostreuung, Altersversorgung, notwendige Liquidität und die steuerlichen Auswirkungen.

Eine verantwortungsbewußte Vermögensberatung, die nicht nur auf Verkaufen abgestellt ist, kann zweifellos hilfreich sein. Denn nicht in jedem Fall ist eine Beteiligung an steuerbegünstigen Objekten für den Kapitalgeber auch optimal. Die von den Abschreibungsinitiatoren vorgelegten "Erfolgsrechnungen" basieren meist darauf, daß der Kapitalgeber sich in der höchsten Einkommensstufe befindet und dies in den nächsten Jahren auch so bleiben wird. Dies gilt besonders bei den Bauherrenmodellen, wo die Mieter über die Bauherren subventioniert werden, die sich dann wiederum beim Finanzamt schadlos halten. Aber mit Erfolg eben nur dann, wenn zumindest in den ersten Jahren sonst der Spitzensteuersatz gezahlt werden müßte.