Der Mann beugte sich zum Autofenster hinab, als wollte er eine Frage stellen. An mehr kann sich Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow nicht erinnern. Als er wieder zu sich kam, waren 1400 Manuskriptseiten seiner Memoiren, sechs Bänder persönlicher Tagebücher und viele andere Dokumente aus dem Wagen verschwunden. Der Bürgerrechtler hatte sie deshalb stets mit sich geführt, weil sein streng bewachtes Haus immer wieder "Einbrecher" anzog. Sacharow, vor fast drei Jahren nach Gorkij verbannt, ist fest davon überzeugt, daß ihn KGB-Beamte betäubten und ausraubten.

Allein die Brachialgewalt, mit der die Sowjetunion seit Monaten Abschottung praktiziert und damit – vor Wiederbeginn der KSZE-Konferenz in Madrid – demonstriert, was sie von Bürgerrechten hält, ist schon erschütternd. Aber geradezu fassungslos machen die Methoden der psychischen Folter, mit denen die Behörden ihren eigenen Staatspreisträger in aller Öffentlichkeit zu brechen suchen. Der Verlust seiner Manuskripte muß für Sacharow, den großen Physiker und eigenwilligen Denker, eine der schwersten Prüfungen sein.

Seiner geistigen Produkte beraubt, von zwei Herzinfarkten gezeichnet, von Hungerstreiks geschwächt, an Morddrohungen gewöhnt, wird Sacharow dennoch unüberwindbar bleiben. Und kein Kreml-Regime wird Rußland so weit beugen können, daß es nicht immer wieder Menschen hervorbringt wie ihn – den Lew Kopelew einen Heiligen nannte. C. S.-H.