Einst war eine schöne Frau des Mannes beste Zierde: "Mein Schmuckstück", sagte Opa noch zur Oma. Die Zeiten sind vorbei. Seit die Frauenbewegung auch in den intimsten Verhältnissen alles bewegte und das schöne Geschlecht nicht mehr des Mannes Zierde sein will, ja oft noch nicht einmal mehr selber schön, verblaßte auch der Glanz des Herrn. Wie steht er da? Einem Chamäleon gleich verbirgt er die gefährdete Männlichkeit im zwei- oder dreiteiligen Langweiler. Wenig nur noch gibt es, was außer Karriere oder Auto den Blick neidvoller Bewunderung fangen könnte – oder doch? Ein Lichtstrahl blitzt auf in der traurigen Szene. Woher? Von einem Diamanten.

Der baumelt nicht etwa vor weichem Busen oder glitzert, die Ehe versprechend, an schmaler Hand. Mitnichten. Eiskalt glänzt er aus drahtiger Brustwolle, sitzt am markigen Finger oder in Lichtpunkten ums kräftige Handgelenk. Was er dort zu tun hat? Der Diamant-Informationsdienst in Frankfurt klärt uns auf: "Der Diamant spricht für den Mann." In Zeiten, wo Mann immer weniger für harte Männlichkeit das Wort zu erheben wagt, sehen kunstfertige Juweliere ihre Chance, sein geschädigtes Selbstbewußtsein aufzupolieren – zu einem "Diamantschmuckbewußtsein". Glasklar soll Mann erkennen, daß er "mehr für sich tun kann als nur gerade das Notwendigste".

Das gilt besonders für die, die mehr als das Notwendigste haben, in der Fachsprache des Prospektes "ein gewisses Portemonnaie". Die diamantene Regel hat Tradition: "Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Diamant ausschließlich Königen und Mächtigen vorbehalten." Ganz so exklusiv ist der Kundenkreis heute nicht mehr und soll es auch nicht sein, denn auch die Hoflieferanten wollen schließlich glänzend dastehen. Denn so richtig glänzend geht es ihnen nicht, solange die Kostbarkeiten noch nach dem Gesichtspunkt "Gleich und Gleich gesellt sich gern" unter die Männer gebracht werden. Daß Karlheinz Rummenigge, Juwel der Fußballnationalmannschaft, Hochkarätiges aus der "Classic Juwel Collection" auf stolzer Stürmerbrust trägt und Jet-set-Coutourier Manfred Schneider unter selbstentworfenem Hemd Steine mit kräftigem Zuschnitt zeigt, ist längst nicht genug. Die Branche braucht eine gewisse Demokratisierung – Amerika erscheint am Horizont.

Unbegrenzte Möglichkeiten eröffnen sich dort den Schmuckhändlern, denn im Westen setzt sich Neues eben doch schnell durch. Bereits Humphrey Bogart wußte, daß ein Diamant nicht nur der Frauen bester Freund ist, wie Marilyn Monroe noch eitel wähnte. Bogey konnte nicht nur pfeifen, sondern auch verführerisch mit diamantenbesetzten Ringen blitzen. Schon versucht das jeder fünfte Sam. "Und zwei Prozent der männlichen US-Bürger kaufen jährlich ein Diamantenschmuckstück – für sich. Das sind 1,9 Millionen Schmuckstücke im Jahr", rechnen die Juweliere schnell.

Noch sind die Amerikaner auch in diesem Geschäft die Größten. Hierzulande bekunden die Männer zwar "große Tragebereitschaft für Diamantschmuck", doch hätten sie das Glitzerwerk gern unauffällig, und schon gar nicht protzig. Ja, wie denn nun? Der Diamant glänzt nicht unter dem Scheffel.

Mut braucht der Mann, und ein leuchtendes Beispiel. Das sagte mir neulich ein Brillie im Ohr. Der blitzte auf, als ein Mann der alternativen Szene den Motorradhelm lupfte. Die Schönen eilten an seine Seite. 0,30 Karat spiegelten sich in fragenden Augen. Der Brillie war ein Geschenk des Vaters, zu Juniors 30. Geburtstag. Ein Fall von später Männeremanzipation? Wenn ja, dann war er teuer erkauft. Billiger ist jedenfalls Vertrauen in eigenen Glanz. Aber wer hat das schon?

Susanne Mayer