Innerhalb von drei Jahren hat sich der Verkauf in Deutschland halbiert

Die Hoffnung von Wilfried Lochte hat sich nicht erfüllt: "Wenn die Nachfrage aus Europa im Herbst steigen würde", so meinte das für das Leistungsgeschäft zuständige Vorstandsmitglied der Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg (MAN) noch im Frühjahr, "könnten wir die Beschäftigung halten". Die Nachfrage aber blieb aus – und MAN will in seinen Nutzfahrzeugwerken siebenhundert der insgesamt fünfzehntausend Arbeitsplätze streichen.

Damit hat die Lastwagenflaute auch den Zweitgrößten der Branche in der Bundesrepublik voll erwischt. Der dritte, Magirus Deutz, mußte schon vorher Opfer bringen; bei dem Ulmer Lastwagenbauer verschwanden innerhalb eines Jahres rund tausend Arbeitsplätze.

Dabei wird es aber nicht bleiben. Am Freitag dieser Woche tagt in Ulm der Magirus-Aufsichtsrat, dabei werden vermutlich neue einschneidende Programme zur Kostensenkung beschlossen. Giorgio Manina, Chef der zum Fiat-Konzern gehörenden Magirus-Muttergesellschaft Iveco, hat schon vor einem Monat "drastische Maßnahmen" für Ulm angekündigt. Eine weitere Reduzierung der Belegschaft sei unumgänglich.

Zur Überraschung von Magirus-Chef Bernd Kosegarten fügte Manina in einem Zeitungsinterview hinzu, daß das Management der deutschen Tochtergesellschaft schwere Fehler gemacht habe. Zwar versicherte der Italiener schon einen Tag später, der Magirus-Vorstand besäße sein volles Vertrauen. Der Spiegel aber schloß aus der Kritik aus der Konzernzentrale, daß bei Magirus eine Halbierung der Belegschaft auf nur noch 6500 zu befürchten sei und daß der einstmals renommierte Lastwagenbauer zum bloßen Endmontagewerk für in Italien gebaute Autos zu verkommen drohe.

In Deutschland müssen die Lastwagenanbieter seit Jahren mit rückläufigem Geschäft fertig werden. 1979 fanden sie noch für über vierzigtausend mittelschwere und schwere Lastwagen Käufer, inzwischen hat sich der Absatz halbiert; in diesem Jahr werden die Hersteller nur etwas mehr als zwanzigtausend neue Brummis verkaufen können. Der Rückgang selbst kommt dabei nicht überraschend; MAN-Manager Lochte sieht einen Zyklus von etwa sieben Jahren, in dem Lastwagenbesitzer ihre Bestände erneuern. Konjunkturen und Krisen sind damit programmiert. Daß jedoch das Tal diesmal so tief ist, hatte noch im Frühjahr niemand erwartet: So hieß es in einer Studie der Forschungsgruppe analyse & prognose, daß in diesem Jahr ein Rückgang in der schweren und mittelschweren Klasse von rund zehn Prozent zu erwarten sei – tatsächlich fehlten von Januar bis August über zweiundzwanzig Prozent der Kunden. Und auch die Hoffnung auf einen Aufschwung im nächsten Jahr wird sich wohl nicht erfüllen: Die Marktforscher gingen bei ihrer Voraussage von einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent im Jahr 1983 aus – wenn aber, wie inzwischen befürchtet wird, das allgemeine Wachstum ganz ausbleibt, dann wird auch der Verkauf von Lastwagen sich nicht bessern.

Bei MAN wurden deshalb die Erwartungen auch für das nächste Jahr zurückgeschraubt: "Von der bisherigen Annahme einer Belebung kann