Es läßt sich nicht sagen“, so dämpfte 1978 ein Krebsexperte überzogene Hoffnungen, „welchen Nutzen dereinst Screening-Programme“ in der Krebsbekämpfung haben werden. Die Resultate einer Studie, an der sich zwölf Jahre lang 356 812 Frauen beteiligten und die jetzt die Amerikanische Krebs-Gesellschaft (ACS) veröffentlichte, nähren solche Skepsis.

Screening (englisch für „Durchsiebung“) nennen Mediziner den Versuch, mit relativ einfachen Methoden viele Personen auf bestimmte Krankheiten zu untersuchen. Beim Brustkrebs der Frau ist diese Suche nach bekannten Risikofaktoren im bisherigen Ansatz unvollständig. Ein erfolgreiches Screening würde, wie die Ärzte hoffen, bei gefährdeten Frauen gezieltere Untersuchungen in engeren Zeitabständen möglich machen und dadurch die Chancen einer Bekämpfung eben zu wachsen beginnender Tumore erhöhen.

Zu den zehn beim Brustkrebs gesicherten Risikofaktoren – ihr Auftreten geht mit erhöhten Erkrankungsraten einher – zählen zum Beispiel Brustkrebsfälle in der Familie, bestimmte gutartige Brustleiden, Kinderlosigkeit, Übergewicht, erstmals in früher Jugend einsetzende Regelblutung, relativ spät auftretende letzte Regel und die Zugehörigkeit zur oberen Sozialschicht.

Es scheint, als ließe sich die Zahl der späteren Krebsopfer an Hand dieser Faktoren abschätzen. Die an der ACS-Studie beteiligten Forscher kamen nach Durchsicht der Daten zu dem Schluß, daß von der sehr großen Gruppe kaum mehr als 790 Frauen an Brustkrebs erkranken würden. Tatsächlich aber mußten die Ärzte die verhängnisvolle Diagnose 3130mal stellen. Prompt empfahlen die Epidemiologen der ACS, daß für Untersuchungen auf breiter Basis bis auf weiteres wieder jede Frau als höher gefährdet anzusehen sei.

Die Aufmerksamkeit gilt jetzt einem Faktorenkomplex, der in der ACS-Studie noch unbeachtet blieb. Vier Monate nachdem die amerikanische Akademie der Wissenschaften auf die fatale Bedeutung allzu fetthaltiger Nahrung für die Entwicklung von Darmkrebs hinweis (ZEIT Nr. 31/82), erlangt derselbe Faktor erneut Bedeutung. Fragen der Ernährung sparte die ACS vor zwölf Jahren bei der Planung der Studie aus, weil sich 70 Prozent der Frauen (mit oder ohne Brustkrebs) vom Fettgehalt der Nahrung her scheinbar gleich ernährten.

Entscheidend sind jedoch offensichtlich Menge und Zusammensetzung der Nahrungsfette in früher Kindheit, wie Brian MacMahon betont. Der Epidemiologe an der Harvard-Universität sieht seine Interpretation der ACS-Studie durch die Tatsache untermauert, daß japanische Frauen, die in die Vereinigten Staaten einwanderten, weit geringere Brustkrebsarten aufweisen als ihre Enkelinnen. Der bedeutsamste Unterschied in der Lebensweise liegt in der – gemessen an amerikanischen Verhältnissen – traditionell fettarmen japanischen Ernährung. Eine Reihe gleichlautender Daten aus europäischen Ländern stützen den Verdacht.

Auch wenn die klassischen Risikofaktoren den größten Teil der Erkrankungen nicht erklären konnten, so bleiben sie doch für die einzelne Frau unverändert bedeutsam. Die Rolle des Nahrungsfettes beim Brustkrebs muß freilich näher bestimmt werden. Forscher vermuten, daß Fette die Eierstöcke zur vorzeitigen Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen anregen. Offensichtlich scheint es dann darauf anzukommen, wie lange Östrogen auf das Brustgewebe einwirkt: Die relativ lange Zeit zwischen sehr früher erster und sehr später letzter Regelblutung könnte die Ursache für die höhere Brustkrebsrate der davon betroffenen Frauen sein. Peter Jennrich