Klöckner will mit neuen Beteiligungen sich stärker vom Stahl lösen

Über dem Eingang der Fabrik in Maintal bei Frankfurt prangt noch immer der Firmenname "GKN Windsor". Eigentümer des Unternehmens ist aber keineswegs der britische Konzern Guest, Keen and Nettlefolds, wie die Initialen GKN vermuten lassen, sondern die Klöckner-Werke AG in Duisburg über ihre Tochtergesellschaft Klöckner-Ferromatik. Dies allerdings erst seit Anfang September. Zur Änderung des Firmenemblems hat die Zeit noch nicht gereicht – es gibt Wichtigeres zu tun.

Windsor muß nämlich zunächst auf Vordermann gebracht werden. Erster Schritt dazu ist ein Abbau der Beschäftigtenzahl von 520 auf etwa 400. Damit soll dann wieder die Rentabilitätsschwelle erreicht werden, von der die bisherigen Eigentümer weit entfernt waren. "Die hatten sich einfach überfressen", kommentierte Klöckner-Vorstandsmitglied Josef Mennen. So bekam Klöckner das Unternehmen, das einschließlich seiner ausländischen Beteiligungsgesellschaften knapp 120 Millionen Mark umsetzt, fast geschenkt.

Und das ist keineswegs ein Einzelfall. Das stattliche Beteiligungsportefeuille der Klöckner-Werke ist voll von Unternehmen, die einst Sanierungsfälle waren und heute im Klöckner-Verbund gute Gewinne abwerfen. Jüngstes Beispiel ist eine erst in diesem Monat erworbene Beteiligung von 24 Prozent an der Seitz Enzinger Noll Maschinenbau AG in Mannheim, einem ebenfalls maroden Unternehmen.

Pikant ist dabei, daß eine in ihrem Kern ebenfalls nicht gerade gesunde Gesellschaft als Käufer auf den Plan tritt. Denn der Stahlbereich der Klöckner-Werke strotzt ja keinesfalls vor Vitalität. Seit Ausbruch der Krise im Jahre 1975 hat Klöckner hier mehr als eine Milliarde Mark verloren. Da ähnelt es schon sehr einer Trotzreaktion, wenn gleichzeitig die Verarbeitung ausgebaut wird.

Es ist freilich nur die Fortsetzung einer schon in den 60er Jahren entwickelten Strategie, die das Ziel hatte, neben dem Stahl ein zweites Bein aufzubauen. Damals hatte man sich das in der Duisburger Konzernzentrale allerdings anders vorgestellt – Gewinne aus dem Stahl sollten zum Ausbau neuer Verarbeitungsaktivitäten genutzt werden. Ein Paradebeispiel dafür ist die mit erheblichem Kapitaleinsatz geschaffene Klöckner Pentaplast GmbH, die in Montabaur mit einer auf der grünen Wiese gebauten Anlage zur Erzeugung von Folien aus Hart-PVC startete.

Mit Beginn der Krise änderten sich die Methoden, das Ziel blieb bestehen: Der Verarbeitungsbereich soll am Gesamtumsatz der Klöckner-Werke einen Umsatzanteil von mindestens fünfzig Prozent haben. Und davon ist man gar nicht mehr so weit entfernt. Im Geschäftsjahr 1981/82 hat der Verarbeitungsbereich – die Neuerwerbung Windsor eingerechnet – knapp drei Milliarden Mark umgesetzt, der Außenumsatz des Konzerns betrug etwa 6,3 Milliarden Mark.