Der deutsche Photoriese baut keine Kameras mehr

Von Hermann Bößenecker

Am Allerseelentag lag strahlender Sonnenschein über München. Am Vormittag feierte im Königssaal des Hotels Bayerischer Hof ein – so ein Festredner – "großer, reputierlicher und illustrer Kreis" aus dem deutschen Unternehmerlager den sechzigsten Geburtstag des Präsidenten des Gesamtverbandes der Metallindustriellen Arbeitgeberverbände, Wolfram Thiele.

Am gleichen Tag, nur wenige Stunden später, spielte sich in der gleichen Stadt ein Spektakel ab, das jedenfalls nach Ansicht der meisten Betroffenen und der Gewerkschaft beweist, daß der "häßliche Unternehmer" noch immer nicht ausgestorben ist. Besonders reputierlich jedenfalls war es nicht.

Nachdem sie es tagelang bereits in den Zeitungen lesen konnten, erfuhren die 3900 Beschäftigten des Agfa-Camera-Werks nun auch offiziell, daß der größte Teil von ihnen durch die Schließung der Fabrik seinen Arbeitsplatz verlieren wird: Nur etwa 700 können in der Umkehranstalt, im phototechnischen Service und in der Entwicklung weiterbeschäftigt werden.