Die merkwürdige Wandlung des Bundesgesundheitsamtes

Von Justin Westhoff

Ich bin stocksauer!“ kommentierte der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Hans-Otto ansässige Was ihn derart erregte: Das in Berlin ansässige Bundesgesundheitsamt hat dafür gesorgt, daß Tomona nach vorübergehendem Verbot wieder auf Deutschlands Felder und Wälder gesprüht werden darf. Nun wird wieder alles vernichtet, was man Unkraut nennt, bis hin zu Birken und Brombeeren, und so eine verfehlte Agrarpolitik zementiert.

Sauer ist auch Deutschlands Arzneimittel-Kritikus Nummer eins, der Berliner Arzt Ulrich Möbius. Im Falle der Rheuma-Medizin Coxigon wirft er der BGA abgekürzten Behörde nicht weniger als „Klüngel mit der Industrie“ vor. Sie habe viel zu spät reagiert und schwere Gesundheitsschäden der zu schützenden Bürger in Kauf genommen. Und der Bremer Medizinstatistiker Eberhard Greiser konstatierte kürzlich in einem ZEIT-Dossier (38/82) über die Erfahrungen mit dem seit 1978 gültigen Arzneimittelgesetz, im Hinblick auf Sicherheit und Wirksamkeit unserer Medikamente seien wir weit vom internationalen Standard entfernt.

Zum 13. Oktober dieses Jahres hatten die Berliner Herren Experten und „Experten“ hinter verschlossene Türen in die ehemalige Reichshauptstadt geladen. Bei der Sitzung, so ein Teilnehmer, stand lange „auf Messers Schneide“, die gar nicht so alte Bannbulle gegen Aristolochiasäure ins Lächerliche zu lockern.

Aristolochiasäure, in 240 Mittelchen gegen jedes Zipperlein, aber auch angeblich gegen schwere Gesundheitsstörungen wirksam, geriet Mitte 1981 zum kleinen Fanal gegen der Naturanbeter Wunderglauben, alles Pflanzliche und Homöopathische sei per se ungefährlich. Die Kölner Arzneimittelfirma Madaus hatte selbst harschen Pharmakritikern Respekt abgenötigt, als sie ihr Aristolochia-Präparat freiwillig vom Markt nahm. Im Tierversuch hatte sich nämlich der Verdacht ergeben, die Substanz könne Krebs auslösen. Das BGA hielt darob eine Sondersitzung nach dem „Stufenplan zur Abwehr von Arzneimittelrisiken ab“. Man schloß sich der Meinung zahlreicher Toxikologen an, bei krebsfördernden Substanzen gebe es keine unbedenkliche Schwellendosis – auch geringe Mengen können die unheilvolle Wirkung entfalten. Also verboten die Berliner Gesundheitshüter alle aristolochiahaltigen Heiltees, Salben und Tropfen. Ausgenommen wurden lediglich homöopathische Mittel mit Verdünnungen von mindestens „D 11“ (Pharmakologen-Schnack: „Ein Molekül pro Bodensee“).

Gutachter für Pharmafirmen